Die Hamburger Electro-HipHopper Deichkind stehen auf der Theaterbühne. Bei der Diskurs-Operette "Deichkind in Müll" geht es um "Starkult und Entertainment".Interview: ute brade

"Stümper, von den Kostümen bis zur Bühnendeko": Die Hamburger Band Deichkind probiert Theater auf Kampnagel. Bild: Nikolaus Brade
taz: Herr Besser, warum macht Deichkind jetzt Theater?
Henning Besser: Letztendlich ist das ein Weiterdrehen der Ideen, die wir in den letzten Jahren ausgearbeitet haben. Mit der Bühne arbeiten und Performance machen - das ist ja auch das, was wir bei den Konzerten tun. Ich spreche da immer von einem erweiterten Konzertbegriff. Beim Theater ist man freier in der Gestaltung, die Grenzen sind anders.
Kann Deichkind das überhaupt?
Nö, aber wir machens trotzdem. Wir können auch keine Musik machen und tun es trotzdem. Das Stümpertum ist bei Deichkind tief verhaftet. Wir haben aber auch Leute dabei, die sich mit diesen Dingen schon beschäftigt haben. Zum Beispiel Ted Gaier, mit dem ich Regie geführt habe.
Worum geht es denn in dem Stück "Deichkind in Müll"?
<typohead type="3">heißt eigentlich Henning Besser,
ist auch bekannt als DJ Phono und will sein wahres Alter nicht
verraten. Er ist der Tour-DJ bei der HipHop-Electro-Band Deichkind, die
1997 in Hamburg-Bergedorf gegründet wurde. </typohead>
Es geht um eine Hinterfragung, eine Untersuchung der Band mit theatralen Mitteln. Das Konzert ist etwas produktschaffendes, das Theaterstück eine Reflexion dessen. Die Beschäftigung mit uns selber. Wir möchten das Phänomen Deichkind begreifen.
Und was haben Sie über sich herausgefunden?
Wir haben als Künstler den Anspruch, Allgemeingültigkeit herzustellen. Popkultur, Hierarchie, Macht - das sind die Themen, die aus unserer Sicht beschrieben werden … Überhaupt: Deichkind hat auch in den Konzerten einen stark untersuchenden Charakter. Vieles kann man bei einem Konzert aber nicht zeigen, weil das Format es nicht hergibt. Auf einer Theaterbühne lässt sich mehr erkennbar machen …
Das wäre?
Wir können den Fokus auf einzelne Dinge setzten. Eine Bühnenshow hat die Funktion sechs-, siebentausend Menschen zu begeistern. Wir sprechen viele unterschiedliche Sinne gleichzeitig an. Der eine hüpft wild, der nächste schaut nur zu. Deichkind ist auch für uns nicht immer nachvollziehbar, weil sich vieles vermischt. Das ist auch eine Art Dekonstruktion, und das wiederum ist der Charakter meines künstlerischen Schaffens.
Dekonstruktion? Oder sollte man besser sagen: Selbstdarstellung?
Bei Deichkind wirst du nie verstehen, wo wir kokettieren und wo wir etwas bewusst machen, wo wir selbstreflektiert sind und wo wir nur vorgeben, es zu sein.
Wie ist die Idee entstanden, ein Theaterstück zu machen?
Freunde, die unsere Musikvideos drehen, haben das Projekt zusammen mit Kampnagel entwickelt. Das Ganze wurde dann zweimal verschoben, aufgrund des Ausstiegs von Buddy aus der Band und des Todes unseres Produzenten Sebi letzten Jahres.
Deichkind ist von einer kleinen, unbekannten HipHop-Band zu einem Massenphänomen geworden. Was machen Sie heute anders als früher?
Wir machen nichts anders. Was sich konkret verändert hat: Wir sind mehr Leute geworden. Man kann von einer Professionalisierung sprechen, die man so aber auch nicht nennen kann. Wir haben keine Leute eingestellt, die alles für uns machen. Wir haben nach wie vor eine freundschaftliche, klöterige Zusammenarbeit. Wir sind ein Projekt der Massen- und Mainstreamkultur. Aber wir sind Stümper, von den Kostümen bis zur Bühnendeko.
Apropos Kostüme. Warum inszeniert sich Deichkind in Müll?
Müll ist etwas Großartiges. Wir fragen uns: Wo siehst du den Wert? Was ist wertvoll? Das ist das Schöne an Müll, der eine schmeißt ein Teil weg, der nächste findet es geil, eine Art demokratische Gesellschaftsform ist das.
Wie erklären Sie sich selbst den Deichkind-Kult?
Du kannst vieles in Deichkind reinlesen, jeder liest da was anderes. Wir befriedigen viele Bedürfnisse. Deichkind ist wie eine Toilette, ein Gefäß das für jeden formbar ist, die so aussieht wie du sie haben möchtest. Es gibt in unserer Gesellschaft auch das Bedürfnis abzuschalten, sich aus dem Alltag zu entfernen. Aber: Kein Abschalten mit Scheiße.
Ihre Fans sind ja größtenteils Jugendliche …
Nein, das stimmt nicht. Das Durchschnittsalter unserer Fans ist 24, das hat eine Fan-Befragung ergeben. Der älteste, der mitgemacht hat, ist 55 gewesen.
Eigentlich wollte ich fragen, ob Sie mit dem Stück Jüngere ans Theater heranführen wollen?
Für mich spielt das keine Rolle. Aber natürlich haben die Theaterstätten ein Interesse daran, den Nachwuchs fürs Theater zu begeistern.
Ziehen Sie sich danach endgültig zurück?
Ja. - Naja, wir haben entschieden, dass wir uns nicht festlegen, wir arbeiten ins Blaue und gucken was passiert. Bestimmt wird auch neue Musik entstehen. Dieses Jahr spielen wir noch auf drei Festivals, dann wird man uns aber mindestens ein Jahr nicht auf einer Bühne sehen.
Inklusion gelingt nicht auf Knopfdruck und bringt viele der an Schule Beteiligten an ihre Grenzen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Schulen ausreichend Fachpersonal bekommen. von Kaija Kutter
Die Bremer Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) wertet die Entlassung des Kinder-Chefarztes als „dicken Fehler“.

So viel Vogeler gabs nie - geschweige denn, so viel Gemeinsamkeit. Die Worpsweder Museen, nun zu einem Verbund zusammengeschlossen, haben eine große Gemeinschaftsausstellung zum Schillerndsten der Kolonieväter auf die Beine gestellt von Henning Bleyl

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
08.03.2010 20:31 | steph
das gerade remmidemmi nach luftbahn die Stimmung in der Band beschreibt ist dem 1.ten kommentator sicherlich nicht aufgefal ...
26.02.2010 08:38 | children of the dike
War Donnerstagabend drin, es ist richtig schlecht. ...
24.02.2010 13:47 | fischersfritz
starkult und entertainment wird im internet sowieso immer verrückter. so sachen wie gerade die zwei fischmarkt-typen auf yo ...