In Weißensee gibt es seit neuestem einen Umsonstladen. Der "Umverteilungsort für funktionstüchtige Dinge" soll auch das nachbarschaftliche Zusammenleben fördern.von JANINE WERGIN
Wo sich früher Mädchen und Jungs für den Sportunterricht umzogen, gibt es heute Kleidung von der Stange. Weißensee hat seinen ersten Umsonstladen, untergebracht in den einstigen Umkleide- und Duschräumen der Turnhalle der Raoul-Wallenberg-Oberschule. Auf etwa 30 Quadratmetern können sich die Besucher durch Regale und Kleiderständer wühlen, Bücher, Radiowecker, Oberhemden und andere Gegenstände aussuchen und kostenlos mitnehmen - oder selbst Dinge, die sie nicht mehr benötigen, im "Freeshop" lassen. Natürlich geht auch beides zugleich, sagt Kathrin Heinrich, Mitinitiatorin des Ladens.
An gold gestrichenen Heizungsröhren hängen Kleiderbügel mit Shirts oder Jacken. In einer Nische reihen sich Bücher, sorgfältig in ein Regal sortiert, aneinander. In einem halben Jahr haben Heinrich und andere Freiwillige in der einstigen Schule nahe dem Weißen See Wände herausgerissen, geschraubt und gemalert, bevor das Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg (KuBiZ), zu dem der Umsonstladen gehört, nach einem Besitzerwechsel im Januar wiedereröffnet wurde.
Fotos an der Wand zeugen noch vom Umbau. Der Freeshop, den Heinrich als "Umverteilungsort für funktionstüchtige Dinge" und "explizit antifaschistisch" versteht, ist eines von zwei neuen Teilprojekten. "Dahinter steckt die Utopie, dass Leute Zugang zu allen Ressourcen haben, die sie brauchen. Der Waren- und Geldwert ist gesellschaftlich gemacht und keine ,natürliche' Erscheinung, die unveränderlich ist", erklärt die zierliche 22-Jährige mit Basecap und burschikosem Haarschnitt. Den Freeshop betreibt die Berlinerin, die in einem Wohnprojekt im KuBiZ lebt, mit drei weiteren Ehrenamtlichen. Neue Mitstreiter sind willkommen. Die Europäische Jugendstiftung übernimmt ein Jahr lang die Mietkosten.
Typische Regeln, wie es sie in anderen Umsonstläden gibt, wollen die Initiatoren nicht aufstellen. "Anderswo dürfen höchstens drei oder fünf Teile mitgenommen werden. Bei uns kann jeder nehmen, soviel er braucht", sagt Kristin Witte (27). Niemand müsse seine Bedürftigkeit nachweisen. Wer etwas verschenken möchte, legt den Gegenstand einfach ins Holzregal, hängt die Sachen an Kleiderbügel oder gibt sie bei den Ehrenamtlichen ab. Was aus Platzgründen nicht in den Raum passt, soll über ein Infoboard den Besitzer wechseln.
Nur dienstags gibt es eine strikte Einschränkung: Mann muss draußen blieben. Der Umsonstladen vertritt - so Witte - einen "antisexistischen Standpunkt" und öffnet dann speziell für Frauen, Lesben und Transen. Viele öffentliche Räume würden von Männern dominiert. Dem wolle man entgegentreten, sagt die hoch gewachsene Gender-Studies-Studentin im ockerfarbenen Strickjäckchen. Bisher hat noch kein Mann sich dem widersetzt. Wie sie vorgehen würden, wenn es dazu kommt, überlegen die Initiatorinnen derweil beim Tee-Trinken auf der Sitzecke vor der rosa-weißen Wand im Umsonstladen.
Dort können auch die Nutzer Platz nehmen, untereinander und mit den ehrenamtlichen Ladenbetreibern in Kontakt kommen. Soziale Interaktion ist ein zentrales Anliegen des Umsonstladens. "In anderen Bezirken gibt es viele Nachbarschaftstreffs. In Weißensee ist das anders. Wir wollen gegen die Isolation ankämpfen", sagt Witte. "Man wohnt in derselben Straße und weiß doch nichts voneinander", ergänzt Heinrich. Im Idealfall soll das Geschäft ein Ausgangspunkt für neue Projekte sein, bei denen sich Nachbarn gegenseitig helfen. "Es geht um Skill-Sharing. Jeder kann einbringen, was er gut kann, und wir stellen den Raum dafür zur Verfügung", sagt Heinrich.
Im Friedrichshainer Schenkladen "Systemfehler" gibt es beispielsweise kostenlose Yoga-Kurse oder Improtheater. Wie Umsonstläden funktionieren, haben die Umsonst-Macherinnen von Weißensee bei diesem und anderen Freeshops in Berlin und Potsdam vorab in Erfahrung gebracht. Nun wird über gemeinsame Veranstaltungsreihe zur Gratisökonomie nachgedacht. Das geldlose Geben und Nehmen sowie die Kritik an der Wegwerfgesellschaft vereint die Läden.
Was den Umsonstladen Weißensee vom Schenkladen und "Ula", dem studentischen Umsonstladen der TU Berlin, ganz praktisch unterscheidet, ist - neben dem Öffnungstag für Frauen - eine Umkleidekabine. Hinter einer weißen Holzwand in der ehemaligen Turnhalle können nun ehemalige Schulmädchen Trainingsanzug und Sportschuhe anprobieren, ohne danach direkt zur Sportstunde in die Turnhalle zu müssen.
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

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