Agiert der Westen im Atomstreit mit dem Iran zu lasch? Nein, sagt die Grünen-Außenpolitikerin Müller. Dan Schüftan aus Haifa, widerspricht. Die Welt drohe von Wahnsinnigen abhängig zu werden.

Irans Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei auf Beobachtungsposten. Bild: reuters
BERLIN taz | Die außenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Kerstin Müller, hat sich gegen ein schärferes Vorgehen gegen den Iran ausgesprochen. Die Ankündigung aus Teheran, künftig Uran selbst anzureichern, sei zwar eine Eskalation im Atomstreit, sagt sie im „Streit der Woche“ der sonntaz. Die militärische Option, sagt Müller, liege allerdings auf keinen Fall auf dem Tisch: „Ein zweiter Krieg in der Region hätte eine verheerende destabilisierende Wirkung. Ein solches Säbelrasseln nutzt nur dem Regime und schwächt die Demokratiebewegung.“
Dan Schüftan, Direktor des Zentrums für nationale Sicherheitsstudien an der Universität Haifa, fordert dagegen „gewaltvollere Schritte“. Sobald der Iran zum Atomstaat geworden sei, würden andere Staaten folgen. Schüftan fürchtet einen „multiatomaren Nahen Osten“ - und, dass immer mehr Länder zu Atomstaaten werden. „An dem Tag, an dem Hugo Chávez in den Besitz einer Atombombe kommt, können wir uns von der Zivilisation verabschieden. Die Welt wird dann zur Geisel von Clowns und Wahnsinnigen“, schreibt Schüftan in der sonntaz.
Der Streit mit der Regierung in Teheran über das iranische Atomprogramm dauert schon Jahre an. Während Iran bis heute beteuert, mit der Urananreicherung rein zivile Zwecke zu verfolgen, gehen im Westen die meisten Regierungen und Experten davon aus, dass die Regierung Mahmud Ahmadinedschads tatsächlich den Bau einer Atombombe plant.

Den ganzen Streit der Woche lesen Sie in der aktuellen sonntaz. Am 20. und 21. Februar gemeinsam mit der taz am Kiosk erhältlich. Foto: taz
In mehreren Anläufen versuchte die Europäische Union, die iranische Regierung auf dem Verhandlungsweg dazu zu bewegen, ihr Anreicherungsprogramm einzustellen - ohne Erfolg. Gleichzeitig findet in konservativen Kreisen der USA und in Israel die Forderung nach einer Verschärfung des Konfliktes bis hin zum Einsatz militärischer Mittel immer mehr Anhänger.
Auch Aaron König, 45, Autor des Blogs politicool.de und Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei warnt im sonntaz-Streit vor einer Appeasement-Politik. Anders als Müller sieht er bei härteren Maßnahmen keinen Schaden für die Opposition: „Im Gegenteil, wenn wir dem iranischen Terrorregime seine Grenzen zeigen, würde dies der Opposition sogar Aufwind geben.“
Im „Streit der Woche“ diskutieren außerdem der Vizevorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag, Jan van Aken, die freie Autorin Saba Farzan und die Politologin Naika Foroutan.
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Leserkommentare
03.03.2010 10:52 | hto
Diese Welt- und "Werteordnung" ist Geisel des nun "freiheitlichen" Wettbewerbs um das "Recht des Stärkeren" / Dümmeren der ...
21.02.2010 19:48 | Al Ayoubi
Dieser Artikel riecht nach reiner Lobbyarbeit. Sie machen sich diese Plattform hier zu Nutze, um Hetze und Täuschung zu ver ...
21.02.2010 18:22 | rugero
Mir ist auch nicht wohl bei dem Gedanken, daß politisch unberechenbare Staaten wie Pakistan, Iran, Korea oder Israel über A ...