Zum Abschluss der Debatte um nationale Identität kündigt die Regierung an, nationale Symbole zu stärken. Das Projekt hält die Mehrheit der Franzosen für kontraproduktiv.von RUDOLF BALMER

Soll auf französischen Schulhöfen wehen: Die französische Flagge. Bild: dpa
PARIS taz | Eigentlich war zum Abschluss der Debatte über die nationale Identität ein großes Kolloquium mit prominenten Teilnehmern geplant. Schließlich wurde die akademische Erörterung dieser Frage mit Historikern und Philosophen durch ein Regierungsseminar ersetzt.
Denn die Frage der nationalen Identität hatte weniger patriotische Gefühle und den Wunsch einer Besinnung auf die Grundwerte der Republik geweckt als eine Riesenpolemik. Für die Regierung stellte sich die Frage, wie sie die geweckten Geister der Fremdenfeindlichkeit und der Islamophobie nun wieder möglichst schadlos loswerden könnte. Die Mehrheit der betroffenen Bevölkerung fand laut Umfragen, dass die Debatte "nicht konstruktiv" sei und vorab wahlpolitische Hintergedanken enthülle.
Auch in der Regierungspartei UMP fanden es manche, wie die Expremierminister Alain Juppé und Jean-Pierre Raffarin, höchst bedenklich, wenn nicht sogar peinlich, wie rasch dabei gewisse Hemmschwellen fielen. Statt den nationalen Zusammenhalt zu fördern, stärkte die Debatte das Misstrauen und die Ressentiments. Premier François Fillon war es überlassen, für dieses zur nationalen Peinlichkeit werdende Unterfangen eine "Beerdigung erster Klasse" zu organisieren, wie die Regionalzeitung La Montagne meinte. Sein Problem war, dass die positive Ausbeute dieser Debatte kaum große Ankündigungen zuließ.
So blieb ihm nicht viel anderes übrig, als bei seiner Pressekonferenz am Montagabend lauter offene Türen einzurennen: Er forderte, dass künftig auf allen öffentlichen Schulen die Trikolore wehen müsse - was bereits heute fast überall der Fall ist. Die Nationalhymne soll in jeder Schule einmal pro Jahr gesungen werden. Sie stand schon seit 2005 offiziell im Unterrichtsprogramm.
Neu wird die Menschenrechtserklärung von 1789 in jedem Klassenzimmer aufgehängt und jeder Schüler bekommt eine Broschüre mit staatsrechtlichen Informationen, die als Grundlage für einen ausgebauten Bürgerkundeunterricht dienen soll. Immerhin gibt es in Frankreich einen Konsens: Das Klassenzimmer ist die Schule der Nation.
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Leserkommentare
10.02.2010 10:36 | Lulu
Die Franzosen (klar, auch die übrigen Europäer) sollen erstmal lernen, wie man Menschenrechte einhaltend mit Flüchtlingen u ...
09.02.2010 22:57 | Karl Ilnyzckyj
Bravo Rudolf Balmer! ...
09.02.2010 22:12 | jan z. volens
Frankreich ist noch das "Weltland" rund um den ganzen Planet: Seit 300 Jahren in den Amerikas - laenger als die USA, welche ...