GEZ 2.0

Dialog fürs gute Image

Die GEZ will sich wohl ein neues Image verpassen: Frühlingsgrün und dialogisch kommt sie jetzt im Web daher. In diesem Jahr blüht ihr auch eine unangenehme Gebühren-Reform-Debatte.von JULIA SEELIGER

Rundungen statt Kanten, warm statt kalt – so kommt GEZ 2.0 daher.  Bild:  montage gez-logos

Ruppige, resolute Vollstrecker, die einen frühmorgens aus dem Bett klingeln, an einem vorbei in die Privaträume rauschen und zielgerichtet nach dem Fernseher fahnden. Kaum jemand liebt die GEZ. Begriffe wie "Bürokratiemonster" und "Zwangsgebühren" werfen ein gar schrecklich schlechtes Licht auf die Behörde aus Köln.

Jünger, frühlingshafter – und zwonulliger präsentiert sie sich jetzt. Ein neuer Auftritt namens "GEZ meine Meinung" soll zum Dialog einladen, denn, so die GEZ in einer Presseaussendung: "Seit einiger Zeit lässt sich eine rege Diskussion in Foren über Sinn und Notwendigkeit von Rundfunkgebühren beobachten".

Auch das GEZ-Logo ist relauncht, das alte, das wohl zu sehr wie eine kantige Behörden-Leuchtschrift daherkam, durch einen weicheren Schriftzug in einem wärmeren Grün ersetzt – und dahinter noch ein verspielter Punkt, eine Schattierung dunkler, der Sinn dessen wohl eher nur für die dafür verantwortliche Agentur erkenntlich. Schriftinteressierte diskutieren das neue Logo auch im Fontblog.

Guten Willen beweist die GEZ damit, dass sie Mitarbeiterinnen bloggen lässt – es bloggen übrigens ausschließlich Frauen. Wie nachhaltig die Blog-Aktion sein wird, steht auf einem anderen Blatt, gleichwohl könnten die Blogs GEZ-Mitarbeiter und "den Bürger" wirklich näher zusammenbringen. "Ich hätte nie gedacht, dass mein Job derartiges Interesse bei meinen Mitmenschen wecken könnte", schreibt GEZ-Mitarbeiterin Daniela (nicht im Außendienst) von einem Party-Gespräch. 

Der vollmundig beworbene "Chat" erschöpft sich bislang in einer Ankündigung, dass "am Montag, den 22. Februar von 17.00 bis 19.00 Uhr der Leiter der GEZ-Abteilung 'Gebühreneinzug, Teilnehmerbetreuung und Marketing', Adalbert von Cramm" sich "gern" den Fragen stellen wird. Langfristig sollen die Nutzer selbst über die Themen in dem Chat entscheiden können.

Und auch Foren fehlen nicht. Die ersten Trolle scheinen das Forum schon gehijackt zu haben, jüdische Weltverschwörung (inzwischen gelöscht) inklusive.

Ob das ganze mehr der Imagepflege dienen soll oder wirklich ernst gemeint ist – unklar. Sicher ist, dass der GEZ noch in diesem Jahr noch mehr Image-Unbill droht.

Schon Anfang Januar musste die GEZ wieder Prügel einstecken, nämlich durch den medienpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Burkhardt Müller-Sönksen, der eine einheitliche "personenbezogene Medienabgabe" forderte: "Die GEZ-Bürokratie wird damit überflüssig", so Müller-Sönksen – faktisch die Forderung nach der Abschaffung der GEZ.

Noch mehr Ärger blüht der GEZ durch die in diesem Jahr zu erwartende öffentliche Debatte über die Gebührenreform, die 2010 auf den Weg gebracht werden soll und 2013 in Kraft treten könnte. Im Gespräch ist eine Variante, nach der alle Internetnutzer die Rundfunkgebühren voll bezahlen sollen.

Als zweite Möglichkeit wird vorgeschlagen, die bisherige Praxis mit umgekehrter Beweislast fortzusetzen – sprich: Wer sich von den Gebühren befreien lassen möchte, muss den GEZ-Kontrolleur "freiwillig" in seine Wohnung bitten.

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