Der Autor Finn-Ole Heinrich ist 27 Jahre alt, hat drei Bücher veröffentlicht und meint es ernst. So ernst, dass sich die großen Verlage bislang nicht an ihn heran getraut haben - obwohl Heinrich etliche Preise abgeräumt hat und sein Bekanntheitsgrad stetig wächst.von KLAUS IRLER

Mag greifbare Geschichten: Der Autor Finn-Ole Heinrich. Bild: Dylan Thompson
In der Literaturszene gibt es Namen, die springen einen an, und es gibt Namen, die tauchen immer mal wieder auf. In der Zeitung stehen solche Name nur in der Spalte mit den Kurzmeldungen. Im Veranstaltungskalender stehen sie neben anderen im Zusammenhang mit Literaturfestivals. Die Freunde aus München nennen diese Namen, nicht endlos euphorisch, aber schon als Empfehlung.
Der Name, in dem es in diesem Fall geht, lautet Finn-Ole Heinrich. Schau an, denkt man sich in Hamburg nach dem Tipp aus München, der liest also auch am anderen Ende der Republik. Der muss es ernst meinen. Und das ohne einen großen Verlag im Rücken. Denn der hätte dafür gesorgt, dass einen der Name anspringt. Ein großer Verlag hätte das Buch auf die Tische in den Buchhandlungen gebracht. Dort aber ist das neue Buch von Heinrich mit dem Titel "Gestern war auch schon ein Tag. Erzählungen" nicht zu finden.
Heinrich hat seine drei bisherigen Bücher alle beim kleinen Hamburger Mairisch-Verlag veröffentlicht. Dort machen insgesamt fünf Leute deswegen Bücher, weil sie wollen, dass es diese Bücher gibt. Heinrich sagt, die Mairisch-Leute hätte ihn angesprochen, nach einem Auftritt bei einem Poetry-Slam. "Ich hätte mich nie bei einem Verlag beworben. Ich habe der Qualität meiner Texte nicht vertraut."
Geboren 1982 in Henstedt-Ulzburg, Schleswig-Holstein.
Aufgewachsen und zur Schule gegangen in Cuxhaven.
Zivildienst in Hamburg.
Studium der Bildendeb Kunst mit Schwerpunkt Film in Hannover.
Zu Hause in Hamburg-Wilhelmsburg, aber aufgrund seiner vielen Lesungen selten vor Ort.
Nächste Lesungen: 22. und 25. 1.: Schullesungen in Bremen; 30. 1.: Weltbühne in Heckenbeck; 4. 2.: Die lange Hamburger Lesenacht mit 18 Autoren und zwei Bands, Uebel und Gefährlich
Heinrichs Debüt war ein Band mit Erzählungen mit dem Titel "Die Taschen von Wasser", erschienen im April 2005. Im November 2007 erschien dann sein erster Roman namens "Räuberhände". In dem geht es um eine Freundschaft zwischen zwei Abiturienten. Vor allem aber geht es darum, wie diese Freundschaft zu zerbrechen droht.
Janik ist der Sohn eines liberalen Alt-68er-Lehrerpaars und Samuel der Sohn einer verwahrlosten Alkoholikerin und eines unbekannten türkischen Vaters. Samuel übernachtet oft bei Janiks Familie, ist so etwas wie ein Adoptivsohn der Familie. Nach dem Abitur fahren beide nach Istanbul, um Samuels Vater zu suchen. Nach und nach erfährt man, was Janik Samuel angetan hat und was das mit der Freundschaft macht.
"Räuberhände" ist eine Art intimer Enthüllungsroman, es geht um ein Tabu und der Bruch des Tabus wird zum Belastungstest für die außergewöhnlich enge Freundschaft.
Ungeheuerlich ist das alles, und manchmal fragt man sich, obs nicht eine Nummer kleiner gegangen wäre. Andererseits ist der Roman gut strukturiert, ständig wird in den Zeitebenen und zwischen den Schauplätzen hin- und hergesprungen, es wird spannend und die Nähe zu den Figuren ist so groß, dass man es gerne hinnimmt, wenn die Ereignisse um sie herum größer sind, als man das dem Leben zutrauen würde.
Der Beziehungstest und eine gründliche Kenntnis der an ihm Beteiligten sind zwei Merkmale, die sich bei Heinrich öfter finden.
Die Erzählung "Zeit der Witze" beispielsweise schildert, wie ein junger Mann die ersten Stunden und Tage erlebt, nachdem seine Freundin mit einem amputierten Bein aus dem Krankenhaus kommt.
In der Erzählung "Marta" geht es um eine Liebesbeziehung zwischen einem strebsamen Studenten und einer jungen, todgeweihten und zugleich reichen Frau, die versucht, die ihr noch bleibende Zeit zu feiern.
"Wenn man gesungen sagt" erzählt von drei Geschwistern nach dem Tod der Großmutter. Der Bruder kehrt zurück in ein Haus, in dem die Schwester zuletzt Großmutter und den behinderten zweiten Bruder gepflegt hatte.
Heinrichs Texte sind aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschrieben, der höchstens so alt ist wie Heinrich selbst. Meist beleuchten die Geschichten Abgründe in einer ansonsten heilen Mittelstands-Welt und wenn es da mal rausgeht, zum Beispiel zu den geheimen Käfigen eines kleinkriminellen Kampfhundezüchters, dann hat Heinrich gut recherchiert.
Heinrich ist einer, der diszipliniert von 7.30 Uhr bis 18 Uhr am Schreibtisch sitzt, wenn er zu Hause in seiner WG in Hamburg-Wilhelmsburg arbeitet. Aber das tut er nicht oft. Meist schreibe er im Zug, sagt Heinrich. Auf dem Weg von oder zu Lesungen.
Ungefähr 300 Lesungen habe er in den letzten fünf Jahren gemacht, denn die Honorare dafür seien für ihn eine wichtige Säule, um finanziell über die Runden zu kommen. Daneben gibt es die finanziell weniger lukrativen Buchverkäufe. Und, ganz wichtig: die Preise und Stipendien. Zuletzt bekam er den Hamburger Förderpreis für Literatur. Unter den anderen Preisen war einer der bekannteren der niedersächsische Förderpreis zum Nicolas-Born-Preis.
Erst einmal hat einer der größeren Verlage angerufen, doch die Gespräche verliefen im Sand. Heinrich sagt, momentan könne er nur mit Hilfe der Preise und Stipendien von der Literatur leben. Den Mairisch-Verlag schätzt er sehr wegen der persönlichen Beziehungen und wegen der Freiheit: "So lange ich es mir leisten kann, bleibe ich da."
Heinrich will seine Karriere "nicht hochpumpen, sondern langsam aufbauen". Daraus spricht neben der Ernsthaftigkeit auch Vertrauen auf das eigene Talent. Wenn dann die Großen kommen, kann dieses Vertrauen nicht groß genug sein.
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

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