Der gewaltlose Widerstand im Westjordanland

Wo Deutsche wegsehen

Kommentar von GEORG BALTISSEN

Jimmy Carter war hier, Bischof Desmond Tutu auch. Sie alle solidarisierten sich mit dem gewaltfreien Widerstand gegen den Bau der israelischen Trennmauer im Westjordanland. Nur hochrangige Politiker oder andere Prominente aus Deutschland suchte man in den kleinen palästinensischen Dörfchen Bilin und Nilin bislang vergeblich. Kein Joschka Fischer, kein Bischof Huber oder wer immer sonst sich so noch wortreich um den Frieden im "Heiligen Land" besorgt zeigte, fand sich dort ein.

Seit fünf Jahren protestieren die Einwohner mehrerer Dörfer im Westjordanland mit friedlichen Mitteln gegen die Landnahme, die mit dem Bau des Grenzanlage auf palästinenischem Gebiet verbunden ist und ihnen mit ihren Feldern die Lebensgrundlage raubt. Sie tun es gewaltfrei, wenn man von ein paar gelegentlichen Steinwürfen Jugendlicher einmal absieht - und selbst die werden von der politischen Führung vor Ort nicht gebilligt und, so weit wie möglich, unterbunden.

Mit ihrer friedlichen Form des Widerstands erfüllen die Protestierenden alle Bedingungen, die westliche Zivilgesellschaften und Regierungen von Palästinensern gerne verlangen. Und doch ist die Aufmerksamkeit und die internationale Unterstützung, die ihnen zuteil wird, mäßig bis gering. Das ist schlicht beschämend.

Die israelische Militärverwaltung geht derzeit mit allen legalen, will heißen schikanösen Mitteln gegen diesen friedlichen Widerstand vor. Dies liegt auch an juristischen Erfolgen, die die Bewegung erzielte. Das israelische Oberste Gericht forderte eine Änderung des Verlaufes des Trennzauns, ein Urteil, das Israel bislang nicht umgesetzt hat. Und vor einem kanadischen Gericht klagt das Dorf Bilin gegen zwei Firmen, die auf dem Land des Dorfes eine Siedlung bauen. Da ist es schon empörend, wenn Israels Militärverwaltung im Gegenzug jetzt das bloße Sammeln von leeren Tränengaskanistern als Waffenbesitz zur Anklage bringt, um dem gewaltlosen Widerstand die Spitze zu nehmen.

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