Provision auf Links

Geld verdienen mit Bloggen

Während die großen Verlage noch überlegen, wie sich mit Web-Inhalten Geld verdienen lässt, erlaubt Googles Weblog-Plattform künftig das Mitverdienen am Online-Shopping.von Ben Schwan

Kommt es zum Kauf über einen Link in einem Blogger.com-Weblog, gibt's Provision - und die ist mit bis zu 15 Prozent des Handelspreises durchaus lukrativ.   Bild:  screenshot

Wenn es nach vielen Verlegern im In- und Ausland geht, wachsen demnächst überall Bezahlschranken im Web - in diesen Tagen haben das beispielsweise die Online-Lokalteile der Springer-Blätter "Hamburger Abendblatt" (7,95 Euro / Monat) und "Berliner Morgenpost" (4,95 Euro) vorgemacht. Mit Werbung alleine, so sagen die zuständigen Chefredakteure, ließen sich Netzinhalte nicht bezahlen, deshalb müsse eben "Paid Content" her, der Leser direkt "monetär beteiligt" werden.

 

Der Onlineriese Google tritt nun an, zumindest für eine eingeschränkte Zielgruppe das Gegenteil zu beweisen: Die noch immer wachsende Gruppe der privaten Netzpublizisten. Dazu stellte der Konzern am Mittwoch ein neues Programm vor, mit dem Nutzer seiner Weblog-Plattform "Blogger.com" künftig leichter Moneten machen können sollen. Statt nur einfache Textanzeigen mit geringen Klickpreisen einzubinden, können Mitglieder der Seite nun "mit nur zwei Klicks" (O-Ton Pressemitteilung) Umsätze generieren. Der Trick: Google ist eine Partnerschaft mit dem E-Commerce-Giganten Amazon eingegangen. Der erlaubt es künftig, jedes Produkt, das in einem Blogger.com-Weblog erwähnt wurde, mit einem Link auszustatten. Klickt nun ein Leser darauf, wird er sofort auf Amazons Seite umgeleitet. Kommt es dort zum Kauf, gibt's Provision - und die ist mit bis zu 15 Prozent des Handelspreises durchaus lukrativ.

 

Neu ist das Google-Amazon-Modell keineswegs. Die Werbetechnik nennt sich "Affiliate-Marketing" und kann durch Dienstleister wie etwa Tradedoubler schon seit vielen Jahren auch von Bloggern genutzt werden. Allerdings waren diese Angebote stets nur mit etwas Mühe nutzbar und boten die unterschiedlichsten Provisionsarten. Bei Blogger.com verspricht Google eine wesentlich einfachere Einbindung. Es reiche aus, in seinem Blog-Text ein Produkt hervorzuheben, schon erledige der "Amazon Product Finder" den Rest. "Der Blogger kann dann einen Link oder ein Bild einfügen, das seine ID enthält." Wird dann tatsächlich eingekauft, gibt's einmal im Monat Geld als "Werbekostenerstattung".

 

Ethisch völlig unproblematisch ist die "Affiliatisierung" des eigenen Blogs allerdings nicht. So kam und kommt es durchaus vor, dass Netzpublizisten Produkte nur deshalb erwähnen, weil sie meinen, dass damit genau jetzt gutes Geld zu verdienen sei - beispielsweise, wenn Apple mal wieder einen neuen iPod vorstellt. Auch müssten solche Produktlinks, will man sauber arbeiten, für den Leser gekennzeichnet sein, dienen sie doch nicht mehr nur als Serviceleistung, sondern als potenzielle Gelddruckmaschine.

 

In den USA hat die Handelsaufsicht FTC kürzlich Regeln aufgestellt, damit Blogger im Netz keine Schleichwerbung betreiben. So müssen sie künftig erwähnen, dass sie beispielsweise ein getestetes Produkt umsonst bekamen, beziehungsweise behalten durften. Auch Affiliate-Links könnten unter diese "Disclosure"-Regeln fallen, bei deren Missachtung schlimmstenfalls Bußgelder in Höhe von mehreren Tausend Dollar drohen. (Noch werden sie allerdings nicht durchgesetzt.)

 

Google und Amazon ficht das bislang nicht an. "Wenn Du ein Blogger bist und über das neue Michael Crichton-Buch schreibst, brauchst Du es einfach nur zu markieren und der Amazon Product Finder macht den Rest. So einfach ist es, Geld zu verdienen", schwärmt ein Amazon-Verantwortlicher. Und Rick Klau, Produktmanager von Googles Blogger.com, meint, damit könnten künftig "Blogger jeder Form und Größe tolle neue Inhalte ihren Blogs hinzufügen und Geld verdienen". Blogger.com werde damit "zur einfachsten Plattform zum Generieren von Einnahmen". "Dieses Ziel hatten wir schon immer."

 

Für Google hat der Amazon-Einbau auch noch andere Vorteile: Das Unternehmen umgeht damit Probleme mit dem so genannten "Klickbetrug", der in den letzten Jahren zunehmend schlimmer wird. Dabei setzen Online-Gauner zahllose Weblogs auf Blogger.com und anderen Plattformen auf und füllen sie mit Google-Anzeigen, die pro Klick bezahlt werden. Schließlich wird eine Armee von Rechnern darauf angesetzt, sie zu aktivieren. Die Werbetreibenden müssen dann für "schlechte" Klicks zahlen, während Google den Imageschaden hat. Bei Amazons Affiliate-Programm kann das nicht passieren: Hier gibt es das Geld erst, wenn wirklich gekauft wurde.

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