Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Der BVB verdient ein eigenes Musical und die deutschen Soldaten den Abzug aus Afghanistan. Und "Abwrackprämie" ist Favorit für das "Wort des Jahres".Interview: FRAGEN: FRA

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der letzten Woche?

Friedrich Küppersbusch: Dass der deutsche Luftangriff in Afghanistan ein zynisch getarnter glatter Mordversuch war, überstieg meine Befürchtungen.

Was wird besser in dieser?


				FRAGEN: FRA

Friedrich Küppersbusch ist Fernsehproduzent und wird von der taz jede Woche zum Zustand der Welt befragt. Foto: taz

Die Stimmung! Nämlich die, dass wir da raus müssen.

Und wieso sollte uns Schäubles neuer Rekordschuldenhaushalt diese Woche nicht vermiesen?

Da muss man doch sofort sein ganzes Geld ausgeben: Leute, haut die Kohle raus solange sie noch was wert ist. Schäuble muss seine Grausamkeiten zu Beginn begehen, und aus ihnen werden neue wachsen. Der Staat kann Leistungen streichen, Steuern erhöhen und Geld drucken. Jede der drei Maßnahmen trifft eher Normalbürger. Prognose: Alle drei.

Und das zahnlose Gefeilsche um Emissionswerte in Kopenhagen? Erwarten Sie da etwa am Samstag ein wegweisendes Communiqué?

Nein, die USA und China hatten sich im Vorfeld geeinigt, mit Blick auf ihre gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit diesmal gemeinsam gegen Europa und seine eventuellen Partner zu stimmen. Das Ding bringt maximal eine weitere Vertagung.

Bringen uns denn die Neuigkeiten in der Kundus-Affäre endlich mal ein Ende der medialen Guttenberg-Festspiele?

Ab und zu hat Guttenberg am Opel schon so gepfuscht, dass der wenige Tage nach dem Kauf, der Wahl, nicht mehr durch den TÜV kam. Mir ist der schlechte Darsteller einer schlechten Politik egal. Wir können da den kompletten Hochadel durchjuxen und sind immer noch Verfassungsfeinde in einem völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz.

Wieder wird das "Wort des Jahres" gewählt. Ihr Favorit?

"Wachstumsbeschleunigungsgesetz" ist schön irrsinnig, eher Unwort. "Twitter" ist internationales Wort des Jahres, in Österreich steht "Analogkäse" bereits fest. Kein Schwein hat die "Schweinegrippe". Da sie letztes Jahr noch nicht dabei war, sehe ich die "Abwrackprämie" vorne, wobei das ebenfalls bereits gewählte "Jugendwort des Jahres" mein Geheimtipp ist : das Verb "hartzen".

"KSK: Die Jagd nach dem Bösen" - wäre es nicht Zeit für eine neue RTL-Doku-Soap über ein extrem geheimes Thema?

Es gab Interview-Anfragen an Peter Zwegat bei jedem neuen Bundeshaushalt und für Doppelgespräche mit den letzten drei Finanzministern. Er macht das nicht und bleibt damit, wie ich finde, klug bei seinen Leisten. "Raus aus den Schulen" für Bundeswehr - Rekruten wäre n Kracher, so Bootcamp-Shows gibt's aber schon reichlich. Über den Afghanistan-Einsatz ("Schlechte Zeiten - noch schlechtere Zeiten") oder das Verteidigungsministerium ("Blindenstraße") muss man nicht lang nachdenken. Der deutsche TV-Zuschauer präferiert Gewalt auf Autobahnen und hat Militärserien qua Quote abgestraft. Das Format "Doku-Soap" erzählt Dokumentarisches mit dem story-telling dramatischer Soaps. Also ist diese vergleichsweise ehrenwerte Form auf unzensierte und nicht inszenierte Dokumentarbilder angewiesen - die gibt es bei der Bundeswehr nicht. Die Deutschen Medien haben ihr Vietnam noch vor sich.

Der Dalai Lama hat die Verleihung des Friedensnobelpreises für US-Präsident Barack Obama als ein "bisschen früh" bezeichnet. Stimmen Sie zu?

Ein "bisschen ehrgeizig", vielleicht: Vier Norwegerinnen und ein Norweger, testamentsgerecht vom Parlament ausgesucht, packen der Weltgeschichte in den Arm: als Verhinderer eines Iran-Krieges bis hin zu nuklearen Weiterungen. Als Befrieder Afghanistans, als Weißer Ritter der US-Innenpolitik. Dort waren Konservative dabei, Obama zu verhitlern wegen der verhassten Gesundheitsreform. Also ich fand beim Schulabi die Preise, die die Jahrgangsbesten bekamen, behämmert - die waren doch schon als Jahrgangsbeste belohnt genug! Obama kann mit dem Preis noch was tun und was werden. Die Anmaßung der fünf Politikerinnen aus Oslo hingegen kam zurück in Obamas Dankesrede: Was immer sie der Welt an Friedlichkeit aufgezwingen konnten mit dem Preis - Obama rechtfertigt unter allseitigem Applaus den Krieg. - Die Wiedereinsetzung eines lamaistischen Mönchsregimes in Tibet wäre auch nicht zwingend ein Grund für einen Nobelpreis.

VW kauft sich bei Suzuki ein - und umgekehrt. Der Konzern wächst und wächst. Wie lange bis zum bösen Erwachen?

Falls die FDP nicht bald eine Verfassungsänderung durchsetzt, wonach der Staat stinkt, doof ist und allenfalls Wahlkampfkostenentschädigungen an kleine gelbe Parteien zahlen darf : Bis dahin muss man sich damit abfinden, dass der 20 Prozent-Staatsbetrieb die Autokrise besser managed als alle vollkapitalistischen Wettbewerber. Die EU wollte, unter Lobgesang von CDU und FDP, eben noch das Land Niedersachsen um seine Stimmrechte bringen. Im Übrigen hat die Regierung gerade ein angebliches "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" verabschiedet, wonach VW Verluste bei Suzuki benutzen kann, um Gewinne hier nicht mehr zu versteuern. Diese Akquise ist politisch gefördert.

SPD-Generalsekreträrin Andrea Nahles hat ein Buch geschrieben: "Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist". Gläubig?

Sie haben recht, warum soll ich es erst lesen, ich kann ja so schon mal alles vollmeinen hier. Nee keine Ahnung! Erstmal hat das Buch die Nahles-Klischees, gegen die es gerichtet sein mag, wieder in Schlagzeilen gebracht: sie wolle nicht mehr "Königsmörderin" (taz) sein, nicht nur "Parteilinke" (FR). Wohingegen sie durch Nicht-Schreiben eines Buches alle Nahles-Klischees weiterhin... Nunja. Manchmal ist Journalist leichter.

Und die Borussen?

Nachdem Udo Jürgens, Udo Lindenberg, (aus unerfindlichen Gründen nur Udo Lattek noch nicht ) ein eigenes Musical haben: ich möchte eins für den BVB! Zum 100ten Geburtstag! Du kannst nicht immer 17ter sein! FRAGEN: FRA

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