Der ehemalige Arbeitsminister ist als Verteidigungsminister gescheitert. Er hätte Roland Koch nicht über den Weg laufen sollen.von GEORG LÖWISCH

Die Rangordnung ist schon lange klar: Franz Josef Jung und Roland Koch. Bild: dpa
BERLIN taz Wenn einer den größten Blödsinn angestellt hat in seinem Job, die falschen Entscheidungen getroffen hat, die Kollegen vergrätzt und die Chefin in Schwierigkeiten gebracht, dann fragt man sich, wie um Himmels willen dieser Mensch jemals auf diese Position geraten konnte. Wie Franz Josef Jung je Verteidigungsminister werden konnte.
Die Antwort ist einfach. Er hat den falschen Mann getroffen.
Dieser Mann ist ein Teenager, der zwar schon einen Schlips trägt, den seine Mutter aber noch zu den Versammlungen der Jungen Union transportieren muss. Er ist neun Jahre jünger als Franz Josef Jung, und sie begegnen sich Mitte der Siebzigerjahre auf einem Bezirksparteitag im Main-Taunus-Kreis. Jung wird sich noch Jahrzehnte später erinnern, dass ihm der Jüngling aus Eschborn gleich aufgefallen ist. Es wird der Mann, der sein Leben bestimmt. Roland Koch.
Sie sind Freunde geworden, schnell wird die Rangordnung klar. Die Nummer eins, das ist Koch. Und Jung der Gefolgsmann. Sie sitzen zusammen an der Autobahnraststätte Wetterau, wo eine Handvoll Halbstarke der Hessen-CDU die Tankstellen-Connection gründete, und sie gehen beide in den Andenpakt, einen deutschlandweiten Männerbund der Union. Sie machen Skiferien und steigen gemeinsam auf in ihrer kampfverbandartigen hessischen CDU.
1999 beschließen die zwei eine ausländerfeindliche Kampagne, die sie in die Regierungszentrale in Wiesbaden führte. Koch ist jetzt der Ministerpräsident, Jung der Chef der Staatskanzlei.
Ein Jahr später waten sie beide im CDU-Spendenmorast. Ihr Kampfverband hat sich jahrelang mit Millionen von Geheimkonten in der Schweiz versorgt, und ein Parteiangestellter hat gleich noch etwas für sich abgezweigt. Koch und Jung streiten ab, über irgendwas Bescheid gewusst zu haben, obwohl Jung Generalsekretär der Landes-CDU war. Es gibt nichts Schriftliches. Irgendwann tauchen an Jung adressierte belastende Briefe auf, aber der Jurist behauptet, sie nie bekommen zu haben. Doch der Druck seitens des Koalitionspartners FDP wächst, Koch muss ein Opfer bringen. Jung übernimmt das.
So etwas verbindet. Aufstieg, Krise. Wissen übereinander.
Bei nächster Gelegenheit holt Koch Jung zurück und macht ihn zum Chef der Landtagsfraktion. Koch träumt von Berlin, bei Jung ist das nicht so sicher. Er liebt seine Heimat, den Rheingau, er ist vorsichtig und redet lieber beim Wein als im Fernsehen.
Aber als Merkel in Berlin endgültig nach oben kommt, beschließt Koch, dass Ministerpräsident die bessere Position ist zum Lauern. Doch er will am Tisch der Macht in der Hauptstadt vertreten sein. Am besten durch den treuen Freund.
Zur Bundestagswahl 2005 tritt Jung als Spitzenkandidat der Hessen-CDU auf. Das ist ungewohnt für den bärigen Mann im Zweireiher.
Es ist nicht so, dass Franz Josef Jung ein völliger Trottel ist. Er hat Qualitäten. Er kann schweigen und schuften und einstecken wie ein Grizzly. Sein Vater war Winzer in Eltville-Erbach. Der Sohn musste mit dem kleinen Bruder um vier Uhr morgens in den Weinberg, um sieben in die Schule und danach wieder an die Rebstöcke. Er hat mit 20 Jahren das Gut übernommen, als sein Vater an Krebs starb, und nebenher Jura studiert.
Aber er ist eher ein leiser Mensch, und wenn er Wahlkampfsprüche ruft, wirkt das meist gezwungen. Auf einen Bundesminister leuchtet das Scheinwerferlicht noch greller, die Entscheidungen müssen noch schneller fallen.
Egal. Koch machte die Pläne, Koch entschied, Koch musste die optimale Position bekommen.
Und Jung den Posten, auf dem er scheiterte. GEORG LÖWISCH
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Leserkommentare
11.02.2011 18:03 | vic
Bleibt übrig, was wir alle wissen; ...
11.02.2011 18:03 | iBot
Da hat man ja fast Mitleid.
28.11.2009 16:03 | vic
Bleibt übrig, was wir alle wissen; ...