In einer Zeitung gibt es Fotos und Texte. Aber nicht nur. Dazwischen blinken immer wieder kleine Kunstwerke auf: Illustrationen. Aber wie entstehen die eigentlich in der taz?von GEORG LÖWISCH

Eine Doppelseite zum Thema Innereien bebildern? Für taz-Illustrator Christian Barthold kein Problem. Bild: taz
Christian Barthold schnippelt an Rind, Schwein und Lamm, er schneidet die Organe sorgfältig heraus. Zum Glück geht es unblutig ab, weil es am Computer stattfindet: Er bearbeitet das Thema Esstabus und Innereien.
Oliver Sperl beschmiert Papier mit Fettkreide, ritzt mit einem Schaber Figuren hinein, dazu bedrohlich schwappende Wellen. Thema: die Flut der Werbepost, die Adresshandel auslöst.
Birgit Metzger verbiegt eine Büroklammer, scannt sie ein und zeichnet Stuhl, Schreibtisch und zwei böse Blitze dazu, die Mobbing symbolisieren.
Die drei machen etwas Besonderes: Illustrationen. Sie zeichnen, malen, collagieren. Sie beleuchten ein Thema, sie hellen es auf. Meist fertigen sie eine Illustration nur für eine einzige Zeitungsausgabe an. Texte und Fotos, Überschriften und Untertitel gibt es täglich auf allen taz-Seiten. Manchmal aber taucht ein Kunstwerk auf, extra von Illustratorinnen und Illustratoren für uns gemacht. Sieben von ihnen haben wir gebeten, für diese Seite ein Selbstporträt zu machen, damit man sieht, wer sie sind.
Und wie arbeiten sie? Nehmen wir Christian Barthold, weil seine sonntaz-Illustration zu Esstabus beim European Newspaper Award ausgezeichnet wird.
Ein taz-Auftrag beginnt für den Designer in Köln mit einem Anruf aus der Bildredaktion in Berlin. Die entscheidet sich für Illustrationen etwa, wenn ein sperriges, vielschichtiges Thema vorbereitet wird. Und wenn etwas Zeit ist. Die Bildredakteurin sagt ihm, was das Thema ist, oder - im Idealfall - mailt den fertigen Artikel. Dabei vermeidet sie enge Vorgaben. Der Illustrator wird ja beauftragt, damit er Ideen entwickelt, da wäre es Quatsch, ihn mit Ideen zuzuschütten. Christian Barthold druckt sich den Text aus und legt sich aufs Sofa in seinem Büro. Beim Lesen markiert er Wörter, die er stark findet, lustig oder zu denen ihm ein Bild einfällt. Dann sichtet er Material.
Früher hatte er ein Zimmer voll mit Zeitschriften, aus denen er Dinge ausschneiden konnte, jetzt hat er die meisten eingescannt. Er sucht und surft und zeichnet dann mit Filzstift einige grobe Skizzen, die er nach Berlin zur taz faxt. Die Bildredaktion gibt ihm ein erstes Feedback, danach fängt Christian Barthold richtig an zu wühlen. Er sucht Bilder und Ideen für seine Collagen, was häufig assoziativ funktioniert. Zum Beispiel das Thema Kardiologie. Klar, dazu gehört ein Herz, aber für ihn auch ein Duschschlauch, eine Küchenwaage und ein Zapfhahn. Diese Collage hat er übrigens dem Kardiologenverband für seine Zeitschrift angeboten, der allerdings lehnte ab. Zu schräg.
Häufig sucht Barthold in der Bibliothek nach Büchern und Katalogen. Tiere, Technik, Politik. Ganze Stapel schleppt er heim. Dann: Einscannen, Schneiden, Zusammenfügen. Nach und nach entsteht die Illustration. Mal mischt er Collage und Malerei, mal macht er nur eine einfache Zeichnung. Denn jede Illustration ist ein Einzelstück und alle Illustratoren haben ihren Stil. So entsteht das Besondere.
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