Kommentar von DANIELA WEINGÄRTNER
Bei der Suche nach Kandidaten für die beiden ranghöchsten Posten in der Europäischen Union hätte man sehr unterschiedliche Maßstäbe anlegen können. Es wäre denkbar gewesen, international bekannte Persönlichkeiten wie die ehemalige UN-Hochkommissarin Mary Robinson zu wählen, um Europa in der Welt erkennbarer zu machen. Man hätte sich auch für Politikerinnen entscheiden können, die über viel Routine im europäischen Geschäft verfügen wie die ehemalige österreichische Außenministerin Ursula Plassnik.
Doch man wählte einen flämisch sprechenden Christdemokraten, der sogar in seiner Heimat Belgien blass blieb, und die ehemalige Leiterin des Gesundheitsamts von Hertfordshire. Das klingt abwegig, und das ist es auch. Der belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy hat es in zehn Monaten Amtszeit nicht geschafft, die zerstrittenen Landesteile Flandern und Wallonie einer substanziellen Einigung näherzubringen. Catherine Ashton arbeitet erst seit einem Jahr als Handelskommissarin in Brüssel und ist dort kaum aufgefallen.
Für Ashton als Außenministerin spricht, wie die europäischen Sozialisten betonen, dass sie aus ihren Reihen stammt und weiblich ist. Weiblich sind ein Dutzend besser geeignete Kandidatinnen auch. Und links ist die Labourpartei schon lange nicht mehr. Warum die Sozialisten Expremier Blair und Außenminister Miliband ablehnten, nun aber Ashton jubelnd auf den Schild hoben, bleibt ihr Geheimnis.
Die Regierungschefs hingegen zeigen mit der Wahl Van Rompuys immerhin eines: Sie wollen keinen charismatischen Kopf, der das Bild Europas prägt. Sie wollen einen im Hintergrund operierenden Strippenzieher, der dafür sorgt, dass schwierige Verhandlungen halbwegs glatt über die Bühne gehen. Dadurch ist Europa wenigsten der abgehalfterte Irakkrieger Tony Blair erspart geblieben.
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