Der kleine Film "Paranormal Activity" lockt sogar das amerikanische Mainstream-Publikum ins Kino. Zu Sehen ist ein Paar, dass sich aus nächtlicher Angst beim Schlafen filmt.von ANDREAS RESCH

"Hast Du auch was gehört?!" Bild: central filmverleih
Nach einigen kleinen Festivalerfolgen lief der Film als Midnight Movie in mehreren Collegestädten an und erzielte dort phänomenale Einspielergebnisse. Durch Werbespots, in denen die Reaktionen des Publikums während der Premierenvorführungen zu sehen sind, und geschicktes Webmarketing gelang es dem Verleih Paramount in der Folgezeit, einen Buzz zu kreieren. Als der Film US-weit startete, strömte das Mainstream-Publikum bereitwillig in die Kinosäle.
Doch "Paranormal Activity" ist mehr als ein bloßer Marketing-Clou, denn der Film unterläuft konsequent die Erwartungshaltung des Zuschauers. Dabei lässt sich allerdings so genau nicht sagen, ob dies einer genialen ironischen Brechung oder eher einem sagenhaften dramaturgischen Dilettantismus zu verdanken ist. Was man zu sehen bekommt, ist eine auf winzigen Variationen basierende Wiederkehr des Immergleichen von Schlafengehen, Heimgesucht-Werden, Schreien, Aufwachen und Drüber-Reden, was für sich genommen eigentlich furchtbar dröge wäre. Unterhaltsam wird das Ganze erst dadurch, dass die Protagonisten, statt sich der Lösung des Dämonen-Problems zu widmen, in einer wundervoll lebensecht improvisierten Beziehungskrise versacken.
Eine Qualität von "Paranormal Activity" liegt in der Plausibilität der visuellen Darstellung. Filme mit Handkamera-Ästhetik - unabhängig davon, ob diese nun echt ist oder aufwändig choreografiert - funktionieren immer dann am besten, wenn diese Ästhetik ihre Logik aus der Geschichte selbst bezieht. Wenn also, wie in "The Blair Witch Project" oder "Cloverfield", das Sich-gegenseitig-Filmen der Figuren zum Bestandteil des Plots wird. Denn dadurch gibt sich das Filmbild nicht mehr als ein von Regisseur und Kameramann erzeugtes ästhetisches Gebilde zu lesen. Im Falle von "Paranormal Activity" entsteht dadurch eine Unmittelbarkeit, die sich auf anderem Wege nur schwerlich erzielen ließe.
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