Einst hießen sie Heinz und Manfred Mayers. Ihre Eltern wurden von den Nazi ermordert, die beiden Brüder überlebten. 60 Jahre nach ihrer Vetreibung kehren sie zurück.von ULRICH GUTMAIR

Fred Raymes (2. v. l) und neben ihm Menachem Mayer mit Ehefrauen im Kinofilm "Menachem & Fred". Bild: dpa
"Ich bin ein gläubiger Mensch", sagt Menachem. "Der Gott, an den ich glaube, war nicht in Auschwitz." Sein Bruder Fred sieht das anders: "Gott ist hier gestorben. Und diese Art des Glaubens kann ich nicht nachvollziehen." Die Eltern von Menachem und Fred sind in Auschwitz ermordet worden.
Menachem und Fred sind die Protagonisten des gleichnamigen Dokumentarfilms von Ofra Tevet und Ronit Kertsner. Einst hießen sie Heinz und Manfred und lebten im Städtchen Hoffenheim bei Heidelberg. Erst vertrieben die Nazis die Mayers aus ihrem Haus. Dann wurden sie zusammen mit den anderen jüdischen Familien der Gegend ins französische Lager Gurs deportiert. Den Eltern Mayer gelang es, ihre Söhne, sechs und neun Jahre alt, in einem nahen katholischen Waisenhaus unterzubringen. Als die Gestapo kam, wurden die beiden getrennt voneinander versteckt. Nach dem Krieg ging Fred, der ältere, in die USA, Menachem nach Israel.
Erst in den 90ern trafen sich die Brüder wieder. Jonathan, der Sohn von Menachem, baut Siedlungen. "Wenn wir nicht kämpfen, landen wir, Gott behüte, in den Gaskammern. Wir kämpfen, und wir hoffen, dass Israel am Ende uns gehört". Freds Kinder erziehen ihre Kinder christlich.
60 Jahre nach ihrer Vertreibung kehren Menachem und Fred nach Hoffenheim zurück und treffen den Nachbarsjungen Paul, mit dem sie früher spielten. Lange umarmen sie sich. Sie sprechen darüber, wie es war, Mutter und Vater zu haben, bevor man sie wie Hunde fortjagte.
Die Brüder haben ihre Familien nach Deutschland mitgebracht, die sich hier zum ersten Mal begegnen. Bezahlt hat die Zusammenführung einer der reichsten Männer Deutschlands. Dietmar Hopp ist nicht nur Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP, sondern auch Sohn des SA-Manns Emil Hopp, der die Mayers 1938 brutal aus ihrem Haus warf. Die Filmemacherinnen wundern sich darüber, wie herzlich Menachem und Fred die Brüder Dietmar und Rüdiger Hopp begrüßen. Doch die Mayers und Hopps sind Teil derselben Geschichte. Und die Hopps geben den Mayers wenigstens das Gefühl, dass sich die Leute von Hoffenheim ihres Schicksals erinnern.
"Menachem und Fred". Regie: Ofra Tevet und Ronit Kertsner, D/ Israel 2009, 91 Min.
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Leserkommentare
06.10.2009 19:34 | mbananeng
Wir wollen aber nicht vergessen, dass Herr Hopp vorher versuchen ließ, seinen Familiennamen aus der Nummer tilgen zu lassen ...
04.10.2009 19:30 | ochsausbayern
herr Hopp ist ein super Mensch. Es unterstützt ja nicht nur Hoffenheim, sondern so gut wie jeden anderen Fussballverein sei ...
04.10.2009 15:03 | instroemen
Hopp mag zwar ein komischer Kauz sein, aber wenigstens weiß er mit dem durch die SAP-Produkte verdienten Geld was anzufange ...