Nach 63 Jahren erlaubt sich die "Neue Zürcher Zeitung" dezente Layout-Änderungen. Wie immer bei Layoutreformen sehen derweil die ersten Leser die Qualität der gesamten Zeitung in Gefahr.von SEBASTIAN ERB

Die allererste Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung. Bild: ap
Der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) kann keiner vorwerfen, dass sie jedem Layouttrend hinterherlaufen würde. Beinahe 230 Jahre ist sie alt, und gravierende Änderungen in ihrem Erscheinungsbild sind an einer Hand abzuzählen. Seit Mittwoch erscheint die NZZ nun in einem neuen Gewand - die erste größere Reform seit 1946, als man von der Frakturschrift auf die zeitgemäße Antiqua umstellte.
Keine Angst, die NZZ ist immer noch wiederzuerkennen. Sie geht lediglich einen Schritt, den die FAZ schon vor zwei Jahren erfolgreich ging: Mehr Lesefreundlichkeit, ohne dabei an Seriosität zu verlieren. Verantwortet hat die Neugestaltung Mike Meiré, der unter anderem den Look von Brand eins geschaffen hat.
Die Zeitung hat nun fünf Spalten - lediglich das Feuilleton konnte sich dieser Reform widersetzen und bleibt vierspaltig. Außerdem kommen die Seiten luftiger daher: Der Zeilenabstand im Fließtext wurde leicht vergrößert, die Grauwerte verringert und mehr Weißraum eingefügt. Fotos und Grafiken bekommen mehr Gewicht. Neu ist auch die Aufteilung der Zeitungsbücher, zwei Meinungsseiten - und ein Hauch Türkis hat Einzug gehalten. Zudem treten die Autoren häufiger nicht nur unter ihrem Kürzel auf.
Wie immer bei Layoutreformen sehen derweil die ersten Leser die Qualität der gesamten Zeitung in Gefahr. Auf der NZZ-Webseite bemängelt einer "die Anmutung einer Boulevard-Zeitung". Wer aber so etwas schreibt, hat noch nie eine Boulevardzeitung in der Hand gehabt. Die NZZ ist lediglich in der Gegenwart angekommen.
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