Das soziale Netz überwachte das Verhalten seiner User im Web, um personalisierte Werbung anzubieten. Eine Klage macht damit Schluss: Facebook muss nun eine Datenschutz-Stiftung gründen.von BEN SCHWAN

Darf den Werbekunden nicht mehr ganz so weit entgegenkommen: Facebook. Bild: screenshot facebook.de
BERLIN taz | Als Facebooks "Beacon"-Technologie ("Leuchtfeuer") vor nicht ganz zwei Jahren eingeführt wurde, dauerte es nicht lange, bevor die ersten Nutzer sich beschwerten. Das soziale Netzwerk hatte über Nacht einen Rückkanal zwischen sich und dem Rest des Web geschaffen: War die Werbetechnik aktiviert, meldeten insgesamt 44 Partner wie die Online-Auktionsseite eBay oder das Videoangebot Blockbuster automatisch zurück, was das Facebook-Mitglied so alles trieb. Technisch funktionierte das über die im Browser gespeicherten Cookies: War man bei dem sozialen Netzwerk angemeldet, merkte das die Partnerseite und verschickte dann die Daten.
Schlimme Geschichten machten schnell die Runde: Von geplatzten Hochzeitsüberraschungen, weil der Diamantkauf so in der Nachrichtenzentrale "Mini-Feed" bekannt wurde, bis hin zu viel Gerede unter Arbeitskollegen, weil ein Facebook-Freund sich zu viele Horrorfilme auslieh.
Unter den Mitgliedern des sozialen Netzwerks rührte sich Protest – Facebook musste bei dem für viele Nutzer offenkundig unheimlichen Programm nachjustieren, damit das Abschicken der Web-Aktivitäten nicht mehr ganz so einfach möglich war. (Zuvor musste man es explizit verneinen, nun wurde es zum "Opt-In".)
Sogar Firmenboss Mark Zuckerberg meldete sich zu Wort und gab an, man habe bei der Einführung Fehler gemacht. Tatsächlich gab es auch geschäftlichen Ärger: Einige der Partner, darunter Coca-Cola und die New York Times, hatten erwartet, dass Beacon datenschutztechnisch etwas weniger rabiat vorgeht.
Die Geschäftsidee war eigenlich gewesen, genau auf den Geschmack der Facebook-User abgestimmte Werbung schalten zu lassen: Geld hätte man dann gerne über Werbeklicks verdient, wenn sich etwa ein User das gleiche Buch kaufen wollte, das sein Facebook-Freund soeben erworben hatte. Soweit kam es jedoch nicht, Beacon blieb ein reines Experiment ohne Kompensation – nach dem Ende der Sammelklage sogar ein teures.
Doch nach dem ersten Alarm wurde es still um den Dienst: Er lief zwar weiter, ließ sich aber leichter umgehen. Das änderte allerdings nichts daran, dass einige clevere Anwälte eine Sammelklage von Facebook-Nutzern gegen Beacon einreichten.
Darin warfen die Anwälte dem Dienst unter anderem massive Verstöße gegen das US-Gesetz für die Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation, das US-Gesetz für den Datenschutz bei Videoaufnahmen sowie das kalifornische Verbraucherrechtegesetz und das kalifornische Gesetz gegen Computerverbrechen vor. Neben Facebook sollten außerdem Partner wie Blockbuster in Anspruch genommen werden.
Wie US-Medien am Montag übereinstimmend meldeten, endete die Sammelklage, die man bei dem sozialen Netzwerk durchaus ernst nahm, nun mit einem Vergleich. Die Lösung, der beide Parteien in den nächsten Tagen zustimmen wollen, ist dabei durchaus radikal: Beacon soll nun vollständig abgeschaltet werden. Gleichzeitig verpflichtet sich Facebook, 9,5 Millionen Dollar in eine neu zu schaffende unabhängige Stiftung zu investieren, die sich künftig für Datenschutz, Absicherung der Privatsphäre und die Online-Sicherheit einsetzen soll.
Das soziale Netzwerk gibt sich geläutert. Barry Schnitt, Direktor für politische Kommunikation bei Facebook, sagte, seine Firma habe "sehr viel" vom Beacon-Fiasko gelernt. "Einerseits zeigt es, wie wichtig es ist, den Nutzern breite Kontrollmöglichkeiten zu geben, wie ihre Informationen mit anderen geteilt werden. Außerdem lernten wir, wie wie Veränderungen an der Plattform wirksam kommunizieren können." Auf die Schaffung der Stiftung freue man sich.
Tatsächlich hatte Facebook zuletzt an seiner Außendarstellung gearbeitet, Nutzer unter anderem über neue Funktionen abstimmen lassen und weitere demokratische Elemente eingeführt. An der grundlegenden Tatsache, dass der Dienst mit personalisierter Werbung, die an einzelne Nutzergruppen angepasst ist, sein Hauptgeschäft machen will, ändert das allerdings nichts. Zuletzt soll das Unternehmen damit erstmals einen positiven Cash Flow verbucht haben.
Dass Facebook sein Schnüffel-Leuchtfeuer nun freiwillig löscht, dürfte auch damit zu tun haben, dass nach dem anfänglichen Fiasko kaum mehr neue Partner gefunden werden konnten.
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Im Schwerpunkt Überwachung legen wir ein besonderes Augenmerk auf die neuesten Auswüchse der Sammelwut und Kontrollgelüste von Staatsgewalt wie Konzernen. Und natürlich auf Datenpannen aller Art.
Foto: time. / photocase.com
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
22.09.2009 21:56 | Marco
Eine sehr interessante Thematik. Wie legal ist denn eigentlich Geo- oder Behavior-Targeting? Google ist ja ganz stolz auf d ...