An der Karl-Marx-Allee werden 67 Bäume gefällt, damit der U5-Tunnel saniert werden kann. Am Tegeler See werden Pappeln gekappt. Anwohner regieren mit Unmutvon Tobias Singer

Da war es nur noch ein Baum. Bild: ap, Matthias Rietschel
Baumfäller haben in Berlin gerade Hochkonjunktur. An der Karl-Marx-Allee wurden am Mittwoch die ersten von 67 Bäumen gekappt, die der Sanierung der U-Bahnlinie 5 im Weg stehen. Am Tegeler See in Reinickendorf wurden Pappeln gefällt. Anwohner reagieren erst einmal mit Unverständnis.
Der Tunnel der U-Bahnlinie U5 unter der Karl-Marx-Allee braucht eine neue Decke, weil dort Wasser eindringt. Um seine Tragfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten, wird der Tunnel ab 10. August umfassend saniert. Autofahrer und U-Bahnnutzer brauchen sich deswegen keine Sorgen machen. Die Karl-Marx-Allee wird um die Baustellen herum weiterhin befahrbar sein und auch die Linie 5 fährt weiter wie gehabt.
Nur die Bäume müssen weichen, teils wegen der Bauarbeiten, teils um Platz für den umgeleiteten Verkehr zu schaffen. Es wird vermutet, dass die Wurzeln sich über die Zeit in das Abdichtungswerk der Tunneldecke eingearbeitet haben und dort die weitere Korrosion vorantreiben. Die BVG hat bereits ein Gutachten zur Wertermittlung der betroffenen Bäume in Auftrag gegeben und garantiert die Ersatzpflanzung in Anschluss an die Bauarbeiten.
Die Baumaßnahmen an der U5 seien unumgänglich, sagt auch Carmen Schultze vom BUND Berlin. Nur sorgt die fehlende Informationspolitik für viel Unmut bei den Anwohnern, die das Grün auf ihrer Straße als wichtigen Bestandteil der Umgebung sehen.
Ähnlich läuft es am Tegeler See. Dort wurden gerade zum wiederholten Mal Pappeln gefällt. Rüdiger Zech vom zuständigen Naturschutz- und Grünflächenamt klärte auf, dass es sich um Fällungen handelte, die nach einem Astbruch notwendig wurden. Bereits im Oktober hatten sich Anwohner über eine ähnliche Abholzaktion beschwert. Die jetztige Fällung sei wegen Astbruch in den Bäumen notwendig, erklärt Rüdiger Zech vom zuständigen Naturschutz- und Grünflächenamt.
"Die Pappeln haben mit 60 Jahren bereits ein sehr hohes Alter erreicht", sagt Reinickendorfs Baustadtrat Frank Balzer (CDU). Ersatzpflanzungen seien nicht geplant. Dies sei bei altersbedingten Fällungen nicht zwingend erforderlich. Allgemein würde Ersatzpflanzungen aber weniger am fehlenden Willen, als am Personalmangel in den Grünflächenämtern scheitern, sagt Balzer. Im Bezirk gebe es einen eher alten Baumbestand. Altersbedingte Fällungen kämen somit häufiger vor, bei Neuanpflanzungen hinke man hinterher. Für den kommenden Doppelhaushalt soll, so Balzer, eine größere Summe für die Sicherung des Baumbestands eingeplant werden.
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