Kommentar zum Picknick-Flashmob: Braunschweig soll doch froh sein
Die Stadt kann froh sein, dass sie als Ort für einen Flashmob in Frage kommt. Das ist kostenloses Stadtmarketing.
D ie Braunschweiger Verwaltung will einen Flashmob verhindern - in diesem Fall eine wilde Massen-Grillparty auf dem Schlossplatz. Nur Veranstaltungen, die der historischen und städtebaulichen Bedeutung des Ortes gerecht werden, seien zulässig. Dass die Stadt einer so coolen Veranstaltung Steine in den Weg legt, ist ungeschickt.
Zum einen ist der Schlossplatz nur der Lage nach historisch. Das Schloss ist nur Fassade. 2007 wieder aufgebaut, teilweise unter Verwendung alten Materials, kaschiert es ein Einkaufszentrum. Eine Würde des Ortes zu unterstellen, fällt hier schwer.
Was den Städtebau betrifft, so reißen sich die Planer normalerweise ein Bein aus, um neu gebaute Viertel und Orte zu beleben, sie mit Charme und Charakter zu versehen. Kommen dann Leute, die jenseits eines Einkaufsbummels tatsächlich anfangen, so einen Platz zu nutzen - etwa Skater oder in diesem Fall die Flashmobber - bricht bei den Ordnungsämtern Panik aus.
Nun ist es nicht gerade so, dass landauf landab das Lob Braunschweigs gesungen würde. Die Stadt kann froh sein, dass sie als Ort für einen Flashmob in Frage kommt - und zwar wahrscheinlich nur, weil es heute als schick gilt, an Orten Party zu machen, die dafür auf den ersten Blick als völlig ungeeignet erscheinen. Hier gibt es Standortmarketing kostenlos. Die Stadtoberen sollten das nutzen.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert