Ab 2010 werden Hauptschulen in Mittelschulen umetikettiert. Vor allem in Franken sehen das viele Schulleiter skeptisch. Sie haben Angst, dass das Schulsterben beschleunigt werden könntevon CHRISTIAN FÜLLER

Viele Hauptschulen heißen in Bayern bald Mittelschule. Bild: dpa
Die Sprache erinnert an politische Krisen. "Wir sind zum Dialog bereit", verkündet ein Regierungssprecher. So etwas kennt man von Kombattanten - die einen Krieg im letzten Moment verhindern wollen. Und auch aus der Innenpolitik weiß man: Zur Selbstverständlichkeit eines offenen Dialogs mit Bürgern bekennen sich Regierungen immer dann, wenn vorher etwas gründlich schiefgelaufen ist.
Johannes Hardenacke lächelt so freundlich wie kalt. "Schreiben sie auf: ,Hardenacke hält den Ball flach'." Der Sprecher der Regierung von Unterfranken hofft so, die Schulkrise wieder einzudämmen, die er heraufbeschworen hat. In München kann man Schulstress nicht brauchen. Die Regierung des bayerischen Bezirks nämlich hat Schulleiter wie ungezogene Buben nach Würzburg einbestellt. So wie man Botschafter herbeizitiert, deren Länder die Menschenrechte verletzen. Dabei hatten die Rektoren lediglich einen besorgten Brief an den bayerischen Schulminister geschrieben. "Wir haben diesen Brief aus Leidenschaft für unsere Schüler geschrieben", sagte einer der Briefschreiber der taz, "und weil wir unseren Arbeitgeber vor weiterem Schaden bewahren wollen."
Ab dem Schuljahr 2010 können sich Bayerns Hauptschulen für den Titel Mittelschule bewerben - sofern sie eine ganze Reihe von Kriterien erfüllen. Sie müssen 300 Schüler haben, Ganztagsangebote machen und bestimmte Fächerprofile aufweisen. Bayern will so das große Schulsterben stoppen.
Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sieht die Mittelschule "als die Hauptschule der Zukunft". Es gibt noch 900 Hauptschulen dort, ein gutes Drittel ist groß genug, um selbst Mittelschule zu werden, andere werden versuchen, Schulverbünde zu bilden. Über viele einzügige Hauptschulen heißt es im Ministerium: "Wir werden nicht alle Schulen retten können." CIF
Die Regierung in Würzburg aber hat daraus einen öffentlichen Skandal gemacht. Von einer bevorstehenden "Maßregelung" war die Rede - wegen Nichteinhalten des Dienstwegs. Sogar Einträge in die Personalakten machten die Runde.
Aber Bayerns Schulbehörden haben aus dem Umgang mit der Schulrebellin Sabine Czerny gelernt. Die Strafversetzung der Notengegnerin, die so guten Unterricht macht, hat dem Land eine Art Märtyrerin beschert. Deswegen ist die Regierung von Unterfranken jetzt wahnsinnig gesprächsbereit: "Ich betone ausdrücklich, dass es uns im Schulbereich stets um einen offenen Dialog mit Schulämtern und Schulleitern gegangen ist", sagt Hardenacke der taz.
Offenbar ist dies in Bayern nötig: dass eine Schulbehörde extra betont, dass sie für Schulen zuständig sei. Und bereit, mit ihren Rektoren über Schulen zu sprechen.
Was ist los beim Pisa-Sieger, dass solcher Nonsens erklärt werden muss?
Der ewige deutsche Klassenprimus ist nervös. Die letzte Wahl ging auch wegen hausgemachter Schulmiseren in die Hose. Der Koalitionspartner FDP hat frech die Hauptschule infrage gestellt. Nun hat der neue Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ein Konzept zur Rettung der Hauptschule vorgelegt, das alles Mögliche von Gelächter bis Entsetzen ausgelöst hat. Er will die Hauptschule verbessern - indem er sie in Mittelschule umbenennt. Bildungsforscher wie Ludger Wößmann von der Uni München schütteln den Kopf - "das ist bitter, weil der gewählte Weg der wissenschaftlichen Erkenntnis widerspricht". Der Präsident des Bayerischen LehrerInnenverbandes Klaus Wenzel prophezeit, "dass das Auswechseln der Türschilder das Aussterben der Hauptschule nicht stoppen wird". Selbst die einflussreichen oberbayerischen Landräte, fast ausnahmslos CSU-Granden, warnen vor einem Etikettenschwindel. Der Wolfratshausener Landrat Josef Niedermaier sagt, "die Franken sind schon viel weiter mit ihrer Kritik an der Schulpolitik. Bei uns geht das gerad erst los."
Vor allem drunten an der Basis, bei Schulleitern und Bürgermeistern, rumort es. Dort herrscht die nackte Angst, dass das Schulsterben auch nach der Schließung von 700 Hauptschulen in den vergangenen Jahren nicht zu Ende ist.
"Wir wollen die Kollegen begeistern, damit die ihre Kinder wieder begeistern können", sagt Otto Granich. "Das geht aber nicht, wenn München dauernd Hü und Hott ruft." Der 57-Jährige leitet eine kleine Hauptschule, eine sehr kleine. Gerade hatte er mit Hilfe einer Modularisierung Förderkurse einrichten können -- für ihn so etwas wie ein Traum von Schule. "Die Schüler wählten die Kurse ihrer Mangelfächer selbst, wir waren nur noch die Vermittler." Doch von weiteren Förderstunden ist nun nicht mehr die Rede - stattdessen soll sich seine Schule um den Titel Mittelschule bewerben. Ein zweifelhaftes Unterfangen.
Denn Granichs Hauptschule in dem 1.700-Einwohner-Ort Schondra in der bayerischen Rhön gehört zu einer gefährdeten Spezies. Knapp hundert Schüler werden hier noch gezählt. Die Wahl, die Schondra hat, um seine Schule zu retten, ist die zwischen Pest und Cholera. Sie könnte mit den Hauptschulen Bad Brückenaus und Wildfleckens zu einem Mittelschulverbund zusammengehen. Das hieße dann, sagt Granich, "dass wir unsere Schüler im Kreisverkehr durch die Gegend shutteln." Die Alternative hieße Hauptschule zu bleiben - und zu sterben. Denn eine Schule, die unter 100 Kinder rutscht, ist nicht zu halten. Und wer sollte sein Kind noch auf eine Hauptschule schicken, wenn fast alle anderen zu Mittelschulen hochgestuft werden? "Damit führt man uns vor Augen, dass wir uns selber schließen", sagt Granich. "Die Mittelschule wird das Schulsterben beschleunigen." Das aber sagt er nun ausdrücklich als Mitglied des Lehrerverbandes - sonst muss er wahrscheinlich wieder zum Rapport nach Würzburg.
Die kleinen bayerischen Schulstandorte haben viele Ideen, wie man die Schule im Dorf lassen kann. Alle zielen darauf, die Zahl der Schüler zu erhöhen. Dazu gehört die Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre. Oder die Fusion oder zumindest Kooperation von Haupt- und Realschulen. Oder die Einrichtung jahrgangsübergreifender Klassen. Oder das Erlauben von Regionalschulen, die über ihre Schulen selbst bestimmen.
Aber alles das hat München verboten. Spaenles Beamte schreiben zwar an einem Dialogpapier. "Eine neue Kultur der bildungspolitischen Diskussion", heißt es. Aber so weit geht die Dialogfähigkeit nun nicht, dass man die dreigliedrige Schule infrage stellen könnte. In dem Papier sind die verschiedenen Phasen vermerkt, die aus maroden Hauptschulen strahlende Mittelschulen machen. Das Ziel heißt: Hauptschule auf dem Weg ins 21. Jahrhundert.
Die Opposition sieht das ganz anders. "Die Mittelschule soll ja eine Qualitätsoffensive sein", sagt Simone Tolle, Landtagsabgeordnete der Grünen, der taz. "In Wahrheit ist es eine Politik der Konzentration und Rationalisierung der Schulstandorte."
Die bayerische Opposition ist manchmal ein bisschen hysterisch. Aber an Tolles Analyse könnte einiges dran sein. Hört man den Betroffenen in den Regionen zu, so wird klar: Bei dem Konzept kommen viele Standorte unter die Räder. "Wir hängen in der Luft", berichtet etwa der Bürgermeister von Zellingen, Wieland Gsell, "entweder es erwischt uns als Schulstandort ganz - oder wir zahlen die Zeche für die Schulbusse, die unsere Kinder für die Verbundschulen durch die Gegend fahren." Zellingen gehört zum Landkreis Main-Spessart und hat 6.500 Einwohner. Von dort ist es nicht mehr weit zum Regierungssitz Würzburg - und dennoch ist die Lage so ernst wie in Schondra, das in der Walachei des Rhöner Kreuzbergs liegt.
Zellingens Hauptschule hat noch über 200 Schüler. Das sind 100 zu wenig, um einfach so Mittelschule zu werden. Der grüne Bürgermeister Gsell hat viel für seine Hauptschule getan. Er hat sie renoviert und in eine Ganztagsschule verwandelt. Ein Jugendzentrum wurde mit angegliedert. Aber das zählt alles nicht mehr in Zeiten der Mittelschule. Zellingens Pech ist, dass es rund um sich herum lauter Gemeinden mit großen Hauptschulen hat. Die würden liebend gern mit den Zellingern zusammenarbeiten - aber nicht im Verbund. "Wir würden die dann schlucken", sagt der Rektor einer Nachbarschule der taz. Bürgermeister Gsell aber will seine Schule in Zellingen unbedingt halten. Er braucht sie als Attraktion, als Infrastrukturangebot für seinen Ort. "Geht die Schule, gibt es noch einen Grund weniger, in Zellingen zu wohnen."
Der Fall Zellingen ist zugleich einer, der zeigt, wie die CSU Politik macht. Wieland Gsell hat sich nämlich noch mehr einfallen lassen. Er hat sich eine Gemeinde jenseits der Landkreisgrenze gesucht, um mit ihr eine Verbundschule zu gründen. Zusammen mit dem Margetshöchheimer Bürgermeister Waldemar Brohm (CSU) hat er ein schickes Konzept für eine gemeinsame Mittelschule entworfen. Kultusminister Ludwig Spaenle selbst hat das Konzept bei einem Besuch vor Ort abgesegnet. "Der Minister betont, dass er die Kooperation für eine gute und richtige Lösung halte", heißt es in einem Vermerk, den einer der sieben bei dem Gespräch anwesenden Bürgermeister gefertigt hat.
Aber was am 27. Mai für den Minister noch "gut und richtig" war, das gilt heute, keine zwei Monate später, schon nicht mehr. Spaenles Schulbehörden in Würzburg und im Landkreis Main-Spessart haben für Zellingen andere Pläne: Die Schule fusioniert danach mit der Nachbargemeinde Karlstadt - einer 300-Schüler-Schule. Dialogforen hin oder her, Bürgermeister Gsell fürchtet, "dass schon alles entschieden ist".
Tatsächlich lohnt es sich, einen genauen Blick in die Papiere zu werfen, in denen der Kultusminister vollmundig eine "neue Kultur der bildungspolitischen Diskussion" ankündigt. In der zweiten von fünf Phasen erarbeiten die Schulämter verschiedene Szenarien für neue Schulstrukturen - und stellen sie den Bürgermeistern vor.
In der dritten Phase bekommen die örtlichen Vertreter endlich das Konzept zur Debatte. Freilich geht es dann nicht mehr um grundsätzliche Fragen wie die Fusion von Haupt- und Realschulen. Das Papier benennt sehr konkret, was der Job der Dialogforen ist: "die Organisation der Schulverbünde im ländlichen Raum".
Kultusminister Spaenle dementiert das im Gespräch mit der taz. "Die Schulverbünde sind nicht aufgezwungen, sondern entstehen im Dialog mit den Beteiligten", sagt er. Simone Tolle ist da skeptisch. "Die haben die Bürgermeister doch im Sack", sagt sie. "Der Ortsvorstand, der Schwierigkeiten macht bei der Gestaltung eines Mittelschulverbundes, bleibt eben außen vor - er behält seine Hauptschule." Und verliert sie. Weil eine Hauptschule ab 2011 kaum mehr eine Überlebenschance hat. Denn sie wird die letzte von dann vier Schulformen in Bayern sein. Und endgültig eine Restschule.
Robert Zoellick hat keine Lust mehr. Der Weltbankchef strebt keine zweite Amtszeit an. Als Nachfolgerin wird unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton gehandelt.

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.

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Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

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