Kommentar von ULRIKE HERRMANN
Muss man sich Sorgen um Deutschland machen? Der neue Sozialreport weist aus, dass knapp ein Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung für soziale Aufgaben aufgewendet wird - also für Renten, Krankheit, Pflege und Arbeitslosigkeit. Für Neoliberale sind derartige Daten stets ein Grund, den Skandal zu wittern und um die deutsche Leistungsfähigkeit zu bangen. Denn das Wort "sozial" wird gern mit "unproduktiv" assoziiert. Im weltweiten Konkurrenzkampf, so die Idee, kann es nur stören, wenn man allzu viele Bürger unterstützen muss.
Tatsächlich ist es jedoch genau andersherum: Sozialausgaben sind außerordentlich produktiv. Sie sind momentan das einzige Konjunkturprogramm, das funktioniert. Denn ob Rentner oder Arbeitslose - die meisten tragen ihre kargen Zuwendungen sofort in die Läden und stützen damit die Wirtschaft.
Die offiziellen Konjunkturmaßnahmen hingegen sind bisher nicht besonders effizient. So wurden Milliarden für Steuersenkungen vergeudet, von denen vor allem die Gutverdiener profitieren, die das Geld dann aufs Konto packen. Die Abwrackprämie wiederum sorgt nur dafür, dass Autokäufe vorgezogen werden. Im nächsten Jahr werden diese Aufträge der Autoindustrie dann fehlen. Und die Förderung der kommunalen Bauprogramme steckt noch immer im bürokratischen Nirwana fest. Der Internationale Währungsfonds hat Deutschland daher kürzlich für seine Sozialausgaben gelobt, die als "automatische Stabilisatoren" in der Krise wirkten.

Ulrike Herrmann ist Finanzredakteurin der taz. Foto: taz
Die "soziale Marktwirtschaft" wird oft als Trostprogramm für die Arbeitnehmer verstanden. Das ist ein kompletter Irrtum: Ohne die Sozialausgaben würde der Kapitalismus seine Krisen gar nicht überstehen.
Während das algerische Volk friert, liefern staatliche Exporteure Erdgas nach Italien und verdienen sich damit eine goldene Nase. von Dominic Johnson
77.000 Deutsche reisen jährlich auf die Malediven. Gerade herrschen Turbulenzen im Inselparadies: Soldaten schlagen Polizisten und die schlagen den Präsidenten. Am Ende geht nicht die Insel, sondern der Präsident unter.

Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Disney erlaubt seinen Mitarbeitern endlich offiziell das Tragen von Gesichtsbehaarung. Anlass für ein taz-Bartquiz.

Leserkommentare
17.07.2009 16:24 | Gockeline
Der Artikel dient nur dazu die Sozialleistungen als neues Konjunkturpaket anzusehen. ...
16.07.2009 15:42 | Amos
Hart IV stabilisiert erst einmal die Einkünfte der Nimmersatten. Denn wären diese Menschen von Hartz IV ...
16.07.2009 14:48 | Nadi
Ich würde Ulrike Herrmann zustimmen, wenn sie schreibt, dass die Sozialprogramme besser wirken als die Steuersenkungen, die ...