Kommentar von ULRICH SCHULTE
Das hat noch gefehlt. Jetzt streiken also Eltern, um streikende Kita-ErzieherInnen vom Streiken abzuhalten. Mit dieser innovativen Erfindung, dem Gegenstreik, betätigen sich die erbosten Eltern als Trendsetter der bundesdeutschen Tarifpolitik. Ließe sich diese Idee doch beliebig ausweiten: Unterbezahlte Supermarktverkäuferinnen kämpfen für mehr Geld? Wehrt euch, Lidl-Kunden, für das Recht auf freien Einkauf! Opelaner streiken gegen drohende Werksschließungen? Auf die Straße, Autofahrer! Wäre es nicht so traurig, man müsste darüber lachen.
Bei allem Verständnis für die Nöte berufstätiger Väter und Mütter, die auf eine zuverlässige Kinderbetreuung angewiesen sind: Sie tun ihrem Anliegen mit ihren Demos keinen Gefallen, im Gegenteil. Durch den unsolidarischen Protest schaden sie den ErzieherInnen, die Tag für Tag mit hohem Einsatz ihre Kinder betreuen. Und die dafür mehr schlecht als recht bezahlt werden. Denn die Eltern bekämpfen die Beschäftigten, die eh schon Druck von den Arbeitgebern bekommen, an einer zweiten Front.
Wenn nun Mütter in Aufrufen jammern, ihre Kleinsten verstünden die Welt nicht mehr, wird anscheinend jede Vernunft von Tränen weggespült. Kinder sterben nicht, wenn sie ein paar Tage von der Nachbarin, von den Großeltern oder, im Wechsel, von ebenfalls durch Streik betroffenen Eltern betreut werden. Sie können von neuen Erfahrungen sogar profitieren. Und auch Kinder verstehen einfache Zusammenhänge, wenn man sie ihnen erklärt.

Ulrich Schulte leitet das Inlandsressort der taz. Foto: Anja Weber
Doch solcher Pragmatismus ist manchen Eltern offenbar fremd. Ebenso fremd wie der Gedanke, dass eine zufriedene, gut bezahlte und irgendwann besser ausgebildete Erzieherin ihren Job besser macht. Diese Ignoranz verwundert nicht. Denn der langfristige Effekt eines Streiks kommt ja nicht mehr dem eigenen Kind, sondern kommenden Kindern zugute. Und wen kümmern die schon?
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
10.07.2009 12:26 | Marco
Ich bin auch der Meinung, dieser Artikel soll nur weiter provozieren und das Feuer schüren. Anders könnte ich mir die geist ...
29.06.2009 09:35 | J. Hermanns
Heute Morgen hing Ihr Kommentar "Schämt euch Eltern" am schwarzen Brett unseres Kindergartens, direkt neben weiteren Rundsc ...
27.06.2009 12:47 | Andreas Garder
Der Provokateur ...