Libyens Diktator empfiehlt Italienern Demokratie ohne Parteien. Und sieht keinen Unterschied zwischen den Al-Qaida-Anschlägen und den US-Raketenangriffen auf Libyen 1986.von MICHAEL BRAUN

Italiens Regierung hält dem Diktator den Rücken frei - der nutzt seine Freiheiten weidlich. Bild: reuters
ROM taz | Je länger der am Mittwoch begonnene Staatsbesuch Muammar al-Gaddafis in Rom dauert, desto mehr Verlegenheit macht sich unter Italiens Politikern breit. Libyens Revolutionsführer nutzt konsequent jeden seiner zahlreichen Auftritte, um seine recht unorthodoxen Auffassungen über Demokratie und die Weltlage zu propagieren.
Als Mann "von tiefer Weisheit" hatte Berlusconi Gaddafi gleich zum Auftakt gelobt. Eine erste Probe seiner Weisheit gab der libysche Staatschef dann vor Italiens Senatoren. Ihnen sagte er, dass die USA mit ihrem Raketenangriff auf Gaddafis Zelt im Jahr 1986 sich vom Vorgehen al-Qaidas in keiner Weise unterschieden hätten. Natürlich verurteile er Terrorismus, setzte Gaddafi nach, aber dessen Gründe seien nun mal im Nachwirken der Kolonialzeit zu suchen. Italiens Außenminister Franco Frattini ließ später in einer Erklärung wissen, er sei "nicht einverstanden" mit diesen Ansichten.
Am Nachmittag dann sprach Gaddafi in der römischen Universität. Das Publikum war handverlesen, ein ganzes Polizeibataillon hatte sich in Anzüge anziehen müssen, um im Saal akademischen Nachwuchs zu spielen. Die verkleideten Polizisten erfuhren, dass Demokratie nur bei Abschaffung der Parteien und freier Wahlen denkbar ist. Einer kritischen Studentin, die Fragen zur Flüchtlingspolitik Italiens und Libyens stellen wollte, wurde umgehend das Mikrofon abgedreht.
So hält Italiens Regierung dem Diktator den Rücken frei - und der nutzt seine Freiheiten weidlich. Am Abend war es an Roms Bürgermeister Gianni Alemanno, auf Distanz zum libyschen Gast zu gehen. Gaddafi legte den Italienern auf Roms Kapitolsplatz erneut nahe, nach libyschem Vorbild Italiens Demokratie parteienfrei zu gestalten, und bot Berlusconi an, die beiden könnten ja ihre Ämter tauschen: Berlusconi als Raïs in Tripolis, Gaddafi als Revolutionsführer in Rom.
An seinem letzten offiziellen Besuchstag am Freitag in Italien traf der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafis außerdem mit 1.000 Frauen zusammen. Die Zusammenkunft war von der italienischen Gleichstellungsministerin Mara Carfagna angeregt worden, berichteten italienische Medien. Auf dem Programm stand unter anderem eine rund vierzigminütige Rede Gaddafis über die Stellung der Frau in Afrika.
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
14.06.2009 16:29 | Un Sinn
So sieht also ein ganz weiser Mann aus, interessant... ...
14.06.2009 10:32 | Jesus
ach ja, in einem hatte gaddafi allerdings recht, ...
13.06.2009 23:49 | Gerti
Gaddafi gehört vor Gericht für die Anzettelung der Kriege der 90er Jahre in Westafrika, für seine Unterstützung des Terrori ...