Weil er damals noch unveröffentlichte Songs vom neuen Guns'N Roses-Album in sein Blog einstellte, soll Kevin Cogill für sechs Monate ins Gefängnis, fordert die Staatsanwaltschaft.

Aus der Versenkung wieder aufgetaucht, aber auch schon wieder aus dem Zentrum des Interesses verschwunden: Guns'N Roses-Frontmann Axl Rose. Bild: reuters
Das ist doch mal wirklich bemerkenswert: Ein Blogger, der noch unveröffentlichte Songs ins Netz stellte, steht länger in der Diskussion als das lang erwartete Album selbst. Oder gar die Band, die es veröffentlichte.
So geschehen im Fall Guns'N Roses: Kaum hatten ein paar nostalgische Mitdreißiger das unglaublich durchschnittliche Dekadenwerk "Chinese Democracy" gekauft und Musikjournalisten ihre Gelangweiltheit zum Ausdruck gebracht, schon sprach eigentlich niemand mehr über die Retro-Bandanas-Träger. Da half es auch nichts, dass Axl Rose sich irgendwo verkroch, alle Promo-Termine schwänzte und so jede Menge Spekulationen über seinen Gesundheitszustand auslöste.
Wer aber immer noch regelmäßig in der Presse auftaucht ist Kevin Cogill. Der US-Blogger stellte vor der offiziellen Veröffentlichung Tracks von "Chinese Democracy" auf seinem Blog antiquiet.com online. Dafür soll er jetzt sechs Monate lang in den Knast wandern, so fordert es die Staatsanwaltschaft in Los Angeles. Cogill habe dem millionenschweren Plattenprojekt finanzielle Einbußen beschert, so die Argumentation - darüber hinaus dürfte der 28-Jährige allerdings auch in der unglücklichen Situation sein, als Beispiel dafür zu dienen, wie hart illegale Uploads vor der offiziellen Veröffentlichung von Platten bestraft werden.
"Einmal im Internet veröffentlicht ist es praktisch unmöglich, die illegale Verbreitung dieser Arbeiten zu verhindern", argumentierte Staatsanwalt Craig H. Missakian laut Internetmagazin wired. "Unnötig zu erwähnen, dass Bands wie Guns'N Roses Blut, Schweiß, Mühe und Tränen in den kreativen Prozess stecken. Dieses Land hat sich als fähig präsentiert, ihre Rechte zu schützen - und dabei kreative Prozesse zu fördern, von denen die gesamte Gesellschaft profitiert."
Die Höhe der Haftstrafe wird über den angenommenen Schaden berechnet. Der soll sich auf 371.622 US-Dollar belaufen - kalkuliert auf Basis von iTunes-Downloads, die pro Song 99 Cent kosten und der Annahme, dass die von Cogill hochgeladenen Tracks auf 1.310 Websites wieder auftauchten.
MLA
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