Laut Staatsanwaltschaft hat der Amokläufer sein Attentat vorab in einem Forum angekündigt. Die Internetseite krautchan.net, auf der der Eintrag auftauchte, spricht von einer Fälschung.

Tim K. litt unter Depressionen, brach die Behandlung jedoch ab. Bild: dpa
STUTTGART taz/ap Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Zweifel an der Echtheit des Chatroom-Eintrags des Amokläufers Tim K. zurückgewiesen. Nachdem der Vater des 17-jährigen Chatpartners die Polizei über den Austausch der Nachrichten informiert habe, habe man die entsprechenden Einträge auf dem Computer von Tim K. gefunden, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Claudia Krauth, am Donnerstag mit.
Gegen Mittag lief die Meldung vom Baden-Württembergischen Innenministerium über die Agenturen: Der Amokläufer von Winnenden soll seine Tat wenige Stunden zuvor im Internet angekündigt haben, erklärte darin Innenminister Heribert Rech. Als Beweis dafür zitierte Rech Sätze aus dem Internet-Chat "Krautchan.net": "Ich meine es ernst, ich habe Waffen hier. Ich werde morgen zu meiner Schule gehen. (...) Ihr werdet morgen von mir hören, merkt euch nur den Namen des Ortes Winnenden", schrieb ein User dort, datiert mit 2.45 Uhr am Mittwoch früh.
Auch die taz berichtete über diesen Hinweis der Staatsanwaltschaft. Dann aber meldeten sich User bei der taz, die Zweifel an dieser Darstellung äußerten - darunter auch ein User des Forums, auf dem der Chatbeitrag aufgetaucht ist.
Nach seiner Darstellung dürfte es sich bei dem Screenshot, auf den sich das Innenministerium dabei bezieht, um eine Fälschung handeln. Seinen Angaben zufolge soll ein User des Forums erst lange nach dem Attentat, nämlich am Mittwochnachmittag um 15 Uhr 30, in der Chat-Sektion von "krautchan.net" geschrieben haben, er wolle einen gefälschten Screenshot anfertigen, in dem Tim K. seinen Amoklauf in Winnenden ankündigt.
Wenige Stunden später sei dieser Screenshot dann auch erschienen - rückdatiert auf den 11. März, 2:45 Uhr am Morgen. Der taz.de-Informant wies auf die Formulierung auf dem Screenshot hin: "Und jetzt keine Angst, ich trolle nur". Trollen steht im Netz-Slang für "jemanden verarschen".
Auch auf der Homepage von Krautchan.net erschien eine Meldung, in der es heisst: "Leider wird unser winziger Server mit dem momentanen Ansturm nicht fertig. Es gibt allerdings auch gar nichts zu sehen, da die deutsche Presse sich bedauerlicherweise (vermutlich nicht zum ersten Mal) von einer Fälschung hat täuschen lassen. Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können. Scheinbar ist recherchieren heutzutage uncool. Schlimm genug, bei Wikipedia abzuschreiben, aber hier? Grundgütiger."
Da der Informant jedoch anonym bleiben wollte und die Homepage von "krautchan.net" derzeit überlastet ist, ist es im Moment nicht möglich, alle Beiträge von Usern dort nachzuvollziehen. Allerdings erreichte die taz.de-Redaktion bereits Hinweise von weiteren taz.de-Usern, dass das Forum krautchan.net für Fakes bekannt sei.
In dem angeblichen Chatbeitrag des Amokläufers steht unter anderem zu lesen: "Scheiße (...) es reicht mir, ich habe dieses Lotterleben satt, immer dasselbe, alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial."
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Leserkommentare
15.03.2009 19:30 | GiGi
Mittlerweile wird doch die ganze Berichterstattung zu einer Farce. Falschmeldung über Chatnachrichten,tote Schülerinnen, we ...
13.03.2009 10:59 | yohak
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13.03.2009 09:00 | Wolfgang
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