Maja Zogg ist für das Szenenbild des Oscar-prämierten Kurzfilms "Spielzeugland" verantwortlich. Dessen Kulissen zu gestalten war eine große Herausforderung.von SABINE SCHRÖDER

Diesen Erfolg machte Maja Zogg möglich: Jochen Alexander Freydank mit seinem Oscar für "Spielzeugland". Bild: AP
Der kleinen Frau mit der großen, auffälligen Brille entgeht kein Detail: Die Szenenbildnerin Maja Zogg stöbert nach Requisiten und Ideen für Filmkulissen auf Müllhalden, in verlassenen Fabrikgebäuden, in Wohnungen und Museen, aber auch ganz konventionell in Büchern. Kein Material, kaum eine Farbe, die unbeobachtet bleibt. Zogg fotografiert Rostflecken, untersucht Fenster und Tapeten ganz genau. Davon lebt die 49-Jährige.
Maja Zogg ist auch die Frau hinter den Kulissen des jetzt mit dem Oscar ausgezeichneten Kurzfilms "Spielzeugland" des Berliner Regisseurs Jochen Alexander Freydank. Sie war dafür zuständig, die Kulissen möglichst glaubwürdig zu erstellen. Keine leichte Aufgabe, denn das Budget für den 14-minütigen Film war knapp. Dass es trotzdem gelang, belegt der Oscar, die höchste Auszeichnung im Filmbusiness. "Spielzeugland" erzählt die Geschichte eines Jungen in der Zeit des Nationalsozialismus, der von seiner Mutter erzählt bekommt, seine jüdischen Nachbarn würden zu einer Reise in ein Spielzeugland abgeholt werden.
Das geringe Budget des ausgezeichneten Streifens erforderte Improvisation bei der Kulissengestaltung. Geld für Straßenszenen und angefertigte historische Tapeten gab es nicht, das Budget betrug lediglich 30.000 Euro. Als Alternative zu einer Straßenszene diente daher der Schulhof des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Pankow. Dort befinden sich aber hässliche Graffiti an einer Wand. Zogg gelang es, sie mit Sandstein-Farbtönen in verschiedener Hell-Dunkel-Stufen "wegzuzaubern".
Auch für die Innenszenen war ihr Können gefragt. Die Raufaseroptik an den Wänden musste verschwinden - mithilfe von Lasurfarbe entstand eine "authentische" Tapete, berichtet sie. Der Boden war die nächste Herausforderung: Wie bekommt man Fliesen- und Holzböden ohne teure Fliesen und einen Parkettmeister? Man malt sie mithilfe alter Theatermaltechniken. Der Unterschied zu einem echten Boden sei schließlich nicht mehr zu erkennen gewesen. Wenn Maja Zogg über die Arbeit an "Spielzeugland" redet, ist ihr die Begeisterung anzusehen. "Die Arbeit mit dem Regisseur Jochen Alexander Freydank und seinem Team hat einfach gestimmt."
Die Bedingungen waren in ihrer Laufbahn nicht immer so perfekt. Als Maja Zogg noch am Theater engagiert war, kam irgendwann einmal jemand zu ihr und sagte: "Maja, mach das nicht so genau, denn sonst sehen die, dass wir das können und dann müssen wir immer so arbeiten". Sie wandte sich später ab von der Theaterwelt: "Ich wollte freier sein als am Theater möglich." So suchte sie sich eine neue Herausforderung beim Film. Mittlerweile reichen ihre Arbeiten von Kinderfilmen über Kriminal- und Science-Fiction-Serien wie "Abschnitt 40" und "Lexx" bis hin zu Polit-, Experimental- und Kurzfilmen.
Für Zogg ungewöhnlich kommerziell dagegen ist ihre Arbeit für Musikvideoproduktionen und Werbefilme. Auf die Frage, wieso sie etwa an einem Video des Berliner Skandalrappers Sido mitgearbeitet hat, sagt sie: "Da bin ich so reingerutscht." Trotzdem würde sie es wieder tun, betont sie. Denn auch diese Arbeit fordere ihre Kreativität und ihr Können. Ein anderer Grund ist jedoch noch viel bedeutender: "Werbefilme ermöglichen mir solche Herzensprojekte wie ,Spielzeugland'."
Seit 25 Jahren lebt Zogg in Berlin, doch im vergangenen Jahr hatte sie genug von der Stadt. Sie machte sich auf nach Istanbul - ans Theater. Begeistert erzählt sie von ihrem viermonatigen Aufenthalt. "Dort war es sehr entspannt. Die Menschen sind irgendwie lockerer als hier." In Istanbul konnte sie das wieder entdecken, was ihr in Berlin verloren gegangen schien: Gebäude, an denen die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat. "Berlin ist so eine saubere Stadt geworden. Viel wurde restauriert und hat dadurch an Charme verloren."
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