Die Bezirks-Liste mit schmuddeligen Gaststätten stößt bei den beanstandeten Wirten auf Kritik: Viele Missstände seien längst behoben; zudem sei es ungerecht, dass noch nicht alle Pankower Restaurants überprüft wurden.von JUDITH NOACK

So soll's sein. Kein Stäubchen in der Küche und kein Finger auf dem Schnitzel Bild: dpa
Dreckige Küchen, Ratten im Lager und verfaulte Lebensmittel im Restaurant sind die Schreckgespenster jedes noch so einfach gestrickten Gourmets. Das Bezirksamt Pankow hat 39 Restaurants veröffentlich, in denen diese oder ähnliche Zustände herrschen sollen.
Auffallend hoch ist die Anzahl an Asia-Restaurants auf der im Internet einsehbaren Negativliste. Darunter befindet sich auch das "Thai Rice" in der Schönhauser Allee. Hier entdeckte das Pankower Ordnungsamt jede Menge Mängel: die Spüle für Lebensmittel fehlte, es gab Hefepilzbefall an Bierleitungen, starke Verschmutzungen im Tresenbereich und zu geringer Lagerraum. Vor Ort zeigt sich der Koch und Inhaber des Restaurants Nguyen Mao überrascht. Bereitwillig führt er in die Küche hinter dem Tresen. Die ist klein, aber sauber; es existieren sogar drei Spülen: Eine für die Hände, eine für das Geschirr und eine für Lebensmittel. Nur der Lagerraum ist unaufgeräumt.
Mao sagt, dass die Prüfung bereits im vergangenen Jahr stattgefunden habe. "Nach der ersten Kontrolle haben wir alles ausgebessert", betont der 47-Jährige. Von der Veröffentlichung der Liste ist er erstaunt. Nach der insgesamt dritten Prüfung, die laut Mao noch dieses Jahr stattfand, hätte niemand mehr Mängel beanstandet. In der Internetliste findet sich hingegen als letzter Prüftermin der 29. Oktober 2008. "Ich habe stets das gemacht, was man mir gesagt hat. Bei dem Prüftermin im Januar hat keiner mehr was gesagt", so Mao. Das Bezirksamt Pankow konnte dazu vor Redaktionsschluss keine Auskunft mehr geben.
Im indischen Restaurant "Sangeet" auf der Kastanienallee soll es neben allgemein fehlender Hygiene Ratten in den Lagerräumen gegeben haben. Die letzte Prüfung ist ebenfalls auf 2008 datiert, fand aber nach Aussage von Mian Latif, der Inhaber des Restaurants, Anfang 2009 statt. Auch Latif zeigt bereitwillig die beanstandeten Räume: Von Ratten findet sich im Lager keine Spur, die Küche wirkt sauber.
Er ist von der Idee der Liste wenig überzeugt. "Ich verstehe nicht, warum das Amt nur ein paar Restaurants prüft und auf die Liste setzt. Das ist ungerecht." Das dürfte sich bald ändern: Das Bezirksamt plant laut Jens-Holger Kirchner, Pankower Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung, alle Restaurants zu überprüfen und bei Mängeln in die Liste aufzunehmen.
Und nicht nur Gaststätten werden unter die Lupe genommen, sogar einige Obst- und Gemüsehändler, Bäcker- und Fleischerfilialen finden sich auf der Liste. Bei Steffen Necke, Obst- und Gemüsehändler in der Greifswalder Straße, bemängelten die Behörden Baustaub und Mauerwerksschäden. Auf die Wand ist nun ein großes buntes Bild gemalt, das Früchte zeigt. Unter dem Waschbecken döst ein Hund. "Meine Kunden haben sich nie beschwert", sagt Necke. Das Bezirksamt Pankow schon. In der jüngsten Prüfung wurde beanstandet, dass nur ein Waschbecken für Personal und zum Waschen von Waren vorhanden ist. "Wenn die wollen finden die doch immer was", kritisiert der Obsthändler.
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