Satellitenortung oder Selbstdisziplin: Spitzensportler wehren sich gegen die Datenerfassung im Antidopingkampf. Drei Monate im Voraus müssen sie Angaben über ihre Verfügbarkeit machen.von MARKUS VÖLKER
Der Sport steht unter besonderer Beobachtung. Nach Jahrzehnten des Dopings ist der Topathlet ein potenzieller Betrüger. Die Erfahrung hat gelehrt, dass er überwacht werden muss. Mittlerweile ist es so weit gekommen, dass die Besten der Besten drei Monate im Voraus ihren Aufenthaltsort in ein Datensystem der Wada eingeben müssen, in die sogenannte Adams-Datei der Welt-Antidoping-Agentur. Aber nicht nur das: Sie müssen seit dem 1. Januar dieses Jahres sieben Tage in der Woche für Kontrollen bereitstehen, und sie müssen für jeden dieser sieben Tage eine Stunde angeben, zu der sie in jedem Fall erreichbar sind.
"Das ist gedacht als ein Backup", sagt Anja Berninger, Juristin der Nada, also der Nationalen Anti-Doping-Agentur in Bonn. Die Wada gibt vor, dass die Trainingskontrollen - und nur darum geht es - allerdings vornehmlich außerhalb dieser Backup-Stunde stattzufinden haben, alles andere würde dem Betrug Vorschub leisten. In Deutschland sind etwa 500 Spitzensportler von der Verschärfung der Regel, die die Wada im Mai 2008 beschlossen hat, betroffen. Berninger sagt, dass hierzulande die Akzeptanz unter den Athleten recht hoch sei, man arrangiere sich notgedrungen mit dem Meldesystem, doch andernorts rebellieren Athleten. Sie beschweren sich über einen massiven Eingriff in die Privatsphäre. Ihre Persönlichkeitsrechte seien gefährdet, argumentieren sie. In Belgien sind 65 Sportler vor ein flämisches Gericht gezogen, um gegen die "Whereabouts"-Regel vorzugehen. Sie pochen auf die Europäische Menschenrechtskonvention.
Die Kläger finden breite Unterstützung: US-Tennisspielerin Serena Williams findet das Meldesystem "sehr invasiv", ihr Kollege Rafael Nadal sieht sich in die Rolle eines "Kriminellen" gedrängt. Skifahrerin Lindsay Vonn aus den USA spöttelt, man solle den Sportlern doch einen GPS-Chip unter die Haut schieben, damit das lästige Einspeisen per E-Mail oder SMS in die Wada-Datei ein Ende habe; per Satellit könnten Fahnder dann ihre Sportsfreunde orten. Widerspruch kommt erwartungsgemäß auch aus dem Lager der Fußballer. Michel Baron D'Hooghe vom medizinischen Beirat der Fifa sagt: "Ist das die Zeit der Inquisition oder was!?" US-Hürdensprinterin Lolo Jones ätzt: "Vielleicht legen sie uns ja bald ein Hundehalsband um."
Juristin Berninger kann den Ärger der Athleten verstehen. "Wir finden es furchtbar und es tut uns leid, so etwas schränkt die Bewegungs- und Handlungsfreiheit ein", sagt sie, aber es müsse sein, "denn es schützt schließlich auch Leib und Leben der Sportler." Viele seien durch Medikamentenmissbrauch krank geworden. Auch gehe es um die Glaubwürdigkeit und Vorbildwirkung des Sports. Berninger ist der Meinung, dass sich der Sport "eigene Regeln geben darf, wenn sie einen Sinn und Zweck haben". Aber sind die besonderen Sportgesetze verhältnismäßig? Wird den Topsportlern nicht zu viel zugemutet? Warum soll ein sauberer Athlet damit leben, unter Generalverdacht zu stehen? "Wie weit das geht, müssen irgendwann einmal Gerichte klären", glaubt Berninger. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht sie keine andere Möglichkeit als diese Informationsabschöpfung. Im gleichen Atemzug verweist sie darauf, dass sich die Nada gegen die Verschärfung ausgesprochen hat - ohne Erfolg.
Derzeit reisen die Chefs der Wada durch Europa, um sich ein Bild zu machen. Wada-Chef John Fahey spricht am Donnerstag mit Vertretern der Nada. Es geht um die Grundsatzfrage, die Spaniens Sportminister Jaime Lissavetzky vorm EU-Parlament in Straßburg aufgeworfen hat: "Wo verläuft der Mittelweg zwischen dem Kampf gegen Doping und den Menschenrechten?"
Die Antidopingkämpfer der Wada haben freilich nicht nur Gesetze, sondern auch Strafen: Wenn ein Sportler, der dreimal in 18 Monaten falsche Angeben macht oder es absichtlich verpasst, die Daten in das Adams-System einzugeben, dann muss er mit einer Mindeststrafe von einem Jahr rechnen. Doch in der Anlaufphase werden diverse "Vergehen" noch mit einer gewissen Kulanz behandelt, sodass Wada-Generaldirektor David Howman bisher nur von drei offiziellen Verstößen gehört hat. Das liegt womöglich auch daran, dass Athleten die Möglichkeit eingeräumt wird, noch unmittelbar vorher, ihre "Stunde" zu verlegen, beispielsweise um 9.58 Uhr von 10 Uhr morgens auf 16 Uhr nachmittags. So flexibel dürfen sie dann doch sein.
Alles rechtens, sagten Behörden, als der verdeckte Ermittler "Simon Brenner" enttarnt wurde. Doch Akten zeigen: Der Spitzeleinsatz war heikel. Betroffene klagen. von N. M. Bust-Bartels

Die achtjährige Mariam muss in einem Flüchtlingsheim leben, obwohl sie krank ist. Die Regierung in Mecklenburg-Vorpommern will ihr nun eine Wohnung organisieren. von Emilia Smechowski

Im Schwerpunkt Überwachung legen wir ein besonderes Augenmerk auf die neuesten Auswüchse der Sammelwut und Kontrollgelüste von Staatsgewalt wie Konzernen. Und natürlich auf Datenpannen aller Art.
Foto: time. / photocase.com
Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.

77.000 Deutsche reisen jährlich auf die Malediven. Gerade herrschen Turbulenzen im Inselparadies: Soldaten schlagen Polizisten und die schlagen den Präsidenten. Am Ende geht nicht die Insel, sondern der Präsident unter.

Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
01.03.2009 11:47 | True Lies
Die spinnen die Römer! Asterix, Obelix und die Gallier dopen sich auch seit Jahrzehnten bei bester Gesundheit mit dem Zaube ...