Kommentar von MICHAEL BRAUN
Silvio Berlusconi und Papst Benedikt XVI.: Eigentlich sind diese beiden Männer meilenweit voneinander entfernt. Auf der einen Seite der feingeistig-rückwärtsgewandte Theologe, auf der anderen Seite der Spaßvogel mit ausgeprägtem Hang zu schlüpfrigen Scherzen, der seit bald drei Jahrzehnten Italiens TV-Zuschauern die tägliche Dosis halbnackter Mädchen verabreicht und als Politiker selbst auf internationalen Gipfeln gern den Gockel gibt.
Nichts verbindet die beiden - außer der Annahme, sie stünden über dem Gesetz. Italiens Gerichte mögen entschieden haben, dass Eluana Englaro nach 17 Jahren Koma sterben darf. Doch Berlusconi wie Papst Ratzinger halten die Beschlüsse für schlicht nicht bindend. Offensiv verkündet die Kirche, "das Leben" zähle "mehr als das Gesetz". Offensiv pflichtet Berlusconi, der immerhin einen Eid auf die italienische Verfassung geleistet hat, sofort bei und zeigt sich "verwundert" über den Staatspräsidenten Giorgio Napolitano mit "seinen juristischen Bedenken", weil der Berlusconis Eildekret gegen die Sterbehilfe nicht sofort abgezeichnet hat.
Fern von ethischen Fragen demonstrierte Berlusconi immer schon, dass Gesetze in seinen Augen vor allem für eines da sind: dafür, "passend" gemacht zu werden. Ob die Medien oder seine Querelen mit der Justiz - immer wieder ließ er sich Paragrafen maßschneidern. Jetzt unternimmt er diese Übung gleichsam im Fremdauftrag der katholischen Kirche.
Die darf sich darüber freuen, in Italiens Regierung ein williges Werkzeug zu finden, das das vatikanische "Naturgesetz" - sprich die Gegnerschaft gegen jede Form der Sterbehilfe - flugs zum alleinigen Maßstab erhob. Zwei Männer demonstrieren so, auf dem Rücken der Familie Englaro, die ganze Fülle ihrer Macht. Der eine gefällt sich in der Pose des strengen Hirten, der andere gibt den rücksichtslosen Macher, der mal eben in drei Tagen ein Gesetz durchpaukt. Mit einer ethischen Debatte über Sterbehilfe hat all dies nichts zu tun. Wohl eher schon mit einer Kirche, die erfüllt ist von vordemokratischem Absolutheitsanspruch, und einem Staat, der sich zu ihrem Handlanger macht. Unheiliger könnte diese römische Allianz nicht sein.
Während das algerische Volk friert, liefern staatliche Exporteure Erdgas nach Italien und verdienen sich damit eine goldene Nase. von Dominic Johnson
77.000 Deutsche reisen jährlich auf die Malediven. Gerade herrschen Turbulenzen im Inselparadies: Soldaten schlagen Polizisten und die schlagen den Präsidenten. Am Ende geht nicht die Insel, sondern der Präsident unter.

Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Disney erlaubt seinen Mitarbeitern endlich offiziell das Tragen von Gesichtsbehaarung. Anlass für ein taz-Bartquiz.

Leserkommentare
10.02.2009 16:19 | rhenanus
@ denken statt glauben ...
10.02.2009 14:41 | denken statt glauben
Natürlich haben wir "Normalsterblichen" mehr Angst vor dem Dahinsiechen - im Mehrbettzimmer und unter materiell armseeligen ...
10.02.2009 09:57 | ARE
... und natürlich wird bei dieser Diskussion das wirklich Wichtige völlig außen vor gelassen: die Meinung der Betroffenen! ...