"Q-rage" geht in die zweite Runde

2:0 für die christlichen Hardliner

Streit um einen evangelikalen-kritischen Text in einer Schülerzeitung: Die Bundeszentrale für politische Bildung kommt den Bibeltreuen mit zwei Publikationen entgegen.von WOLF SCHMIDT

Thema des Anstoßes: Das Evangelikalen-Happening "Christival".  Bild:  ap

BERLIN taz Es ist ein Satz, der so harmlos wie bürokratisch daherkommt: “Das Kuratorium begrüßt die Absicht der Bundeszentrale für politische Bildung, im ersten Halbjahr 2009 zwei Publikationen zum Thema 'Christliche Verantwortung in der demokratischen Gesellschaft' herauszugeben.” Doch dahinter steckt ein Vorgang, der ein ungünstiges Licht auf die Bundeszentrale und die sie kontrollierenden Abgeordneten wirft.

 

Es geht um einen Artikel in der in Millionenauflage erscheinenden Schülerzeitung "Q-rage", in dem sich jugendliche Autoren kritisch mit evangelikalen Christen auseinandersetzten - und im Gegenzug im Internet von den Bibeltreuen attackiert wurden. Sie hatten über das "Christival" 2008 in Bremen berichtet. Auf dem Evangelikalen-Happening sollte ein Seminar angeboten werden, das "Wege heraus aus homosexuellen Neigungen" aufzeigen sollte, nach Protesten aber abgesagt wurde.

Statt die Schüler in Schutz zu nehmen, distanzierte sich Bundeszentralenchef Thomas Krüger von dem Text in der von seiner Behörde finanziell unterstützten Schülerzeitung, die auch der taz beilag. Gleichzeitig entschuldigte sich Krüger für sein Begleitschreiben zu der Zeitung. Darin hatte er sowohl vor den Gefahren der Evangelikalen als auch des Islamismus gewarnt.

Nach diesem Kotau vor den christlichen Hardlinern soll nun offenbar der nächste folgen: Die zwei Publikationen über "Christliche Verantwortung" - eine Art Wiedergutmachung für die Bibeltreuen. So zumindest kommt die Entscheidung daher, und so interpretieren sie auch manche Politiker. "Das erweckt den Eindruck, als müsste sich die Bundeszentrale für den Artikel entschuldigen", sagt Priska Hinz, die für die Grünen im Kuratorium der Bundeszentrale sitzt. Zumal auch der Generalsekretär des Evangelikalenverbands „Deutsche Evangelische Allianz“, Hartmut Steeb, bei einem Treffen mit Krüger just eine solche Publikation gefordert hatte.

Dennoch fand sich bei der Kuratoriumssitzung in dem aus 22 Bundestagsabgeordneten bestehenden Gremium am Donnerstag eine knappe Mehrheit, die die Publikationen unterstützten. Dabei geht es um eine Ausgabe der Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” und eine Ausgabe der “Informationen zur politischen Bildung”. Letztere richtet sich an SchülerInnen und Studierende.

“Wir wollen dort die gesamte Bandbreite christlichen Engagements abbilden”, sagt Bundeszentralenchef Krüger. Das beinhalte auch das evangelikale Spektrum. Denkbar sei auch, dass für die “Informationen” Vertreter der Evangelikalen interviewt werden. Gleichzeitig versichert Krüger: “Das wird ein ausgewogenes Heft und definitiv keine Propagandaschrift.”

Von einer Seite haben die Jungjournalisten unterdessen doch noch ein Lob bekommen: Vom Lesben- und Schwulenverband. Den beiden Autoren sei es gelungen, den Themenkomplex religiöser Fundamentalismus und Homosexuellenfeindlichkeit "anschaulich darzustellen".

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