Dem Berliner Kulturhaus fehlen Mietvertrag und Konzept. Die Silvesterparty steigt trotzdem.von KRISTINA PEZZEI

Die Kunstruine an der Oranienburger Straße in Berlin Bild: AP
Für das Tacheles wird 2009 das Jahr der Entscheidungen: Räumen oder bleiben, ist die Frage - und wenn bleiben, dann in welcher Form? Am Mittwoch läuft der Mietvertrag des selbst verwalteten Künstlerhauses aus. Für den Trägerverein heißt das erst einmal: feiern. "Wir sind mitten in den Vorbereitungen für eine große Silvesterparty, und den Schlüssel haben wir bisher nicht abgegeben", sagte am Dienstag die Sprecherin vom Verein Tacheles, Linda Cerna.
Mehreren etablierten alternativen Projekten droht ab Donnerstag das Ende: Das Künstlerhaus Tacheles und der Mellowpark stehen dann ohne Mietvertrag da, dem Bethanien droht die Räumung.
Der Mietvertrag war auf zehn Jahre mit der Kölner Fundus-Gruppe ausgehandelt worden, dieser Zeitraum ist nun verstrichen. Seit März steht das Grundstück an der Oranienburger Straße zudem unter Zwangsverwaltung. Es ist jedoch unklar, ob die Immobilienfirma, der auch das Hotel Adlon am Brandenburger Tor gehört, wirklich pleite ist. Oder was es mit ihren Plänen auf sich hat, um die denkmalgeschützte Tacheles-Ruine herum ein Geschäfts- und Wohnviertel im Stil des New Urbanism hochzuziehen. Fundus-Sprecher Thomas Schingnitz ist im Urlaub. Keine Auskunft zum Fall Tacheles, sagte die Sekretärin. Laut Tacheles-Sprecherin Cerna verhandelt der Verein mit dem Zwangsverwalter. "Wir haben keinen neuen Mietvertrag unterschrieben, aber auch keine Räumungsaufforderung erhalten."
Spannend dürfte auch werden, wie es intern mit dem Tacheles weitergeht. Der Verein, der das Haus seit 1990 trägt, will eine GmbH Tacheles gründen, ein Atelierprogramm und eine Stiftung auflegen. Finanziert werden soll das Ganze durch die Vermietung von Räumen, Erlöse aus Galeriebetrieb und Verlag sowie den Kneipen- und Konzertbetrieb im "Zapata". Allerdings sind Vereinsvorstand, Mitglieder, Pächter wie das Kino High End oder das Café Zapata seit Jahren zerstritten. Und die Künstler, die im Haus zu günstigen Bedingungen arbeiten wollen, hängen dazwischen. KRISTINA PEZZEI
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