Kommentar von INES KAPPERT

Ines Kappert ist Meinungsredakteurin der taz. Foto: taz
Als sich abzeichnete, dass die Ex-First-Lady den Kampf gegen Obama um die Präsidentschaftskandidatur verlieren würde, nahmen viele Frauen weltweit diese Niederlage persönlich. Sie sahen sich in ihren Erfahrungen und in ihrem Weltbild bestätigt: Im Zweifel obsiegt der männliche Konkurrent. Im Zweifel wiegt das Handikap "Frau" so schwer, dass selbst in einer rassistischen Gesellschaft wie den USA ein schwarzer Mann den Vorzug erhält. Der letztlich entscheidende Faktor fiel aus dem Blick: nämlich dass Obamas Wahlkampfteam perfekt arbeitete, hingegen das allzu siegessichere Team um Clinton ihren Gegner unterschätzt hat.
Und was machte Hillary Clinton - eine Frau, sozialisiert in den Fünfzigerjahren? Sie kämpfte bis zur allerletzten Minute, sie verlor - und verwand auf nahezu wundersame Weise ihre Niederlage. Nach einer Pause kämpfte sie weiter für Obama.
Von Hillary Clinton lernen heißt: Niederlagen, auch die bittersten, darf man niemals persönlich nehmen. Clinton zeigt, wie radikal sich eine Frau von gängigen Verhaltensmustern emanzipieren kann. Die nämlich eichen die Mehrheit der ehrgeizigen Frauen noch immer auf folgende Glaubenssätze: Wir wollen Einfluss, also sind wir sehr fleißig. Machen wir aber Fehler oder werden einfach so übergangen, ziehen wir uns zurück. Geben wir auf. Finden wir die Kraft nicht, uns vom Nackenschlag zu erholen.
Clinton hat eine andere Strategie gewählt: Wer sein Ziel erreichen will, muss sich durch Niederlagen kämpfen wie durch schlechtes Wetter. Demut und enormes Selbstbewusstsein heißen die Schlüsselkompetenzen. Nur so überlebt man politisch und persönlich, wenn der Ehemann vor den Augen der Welt fremdgeht. Nur so lassen sich Rivalitäten in strategische Partnerschaften wandeln. Nur so lässt sich immer wieder aufstehen. Wenn nicht als Präsidentin, dann als Außenministerin.
Vielen Frauen fällt bis heute genau diese so sture wie gelassene Zielstrebigkeit schwer. Das hängt mit mangelnder Erfahrung in Sachen Macht und dem ewigen Mangel an Selbstwertgefühl zusammen. Für beides zeichnet eine paternalistische Gesellschaft verantwortlich. Doch auf die gilt es eben flexibel zu reagieren.
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Disney erlaubt seinen Mitarbeitern endlich offiziell das Tragen von Gesichtsbehaarung. Anlass für ein taz-Bartquiz.

Leserkommentare
03.12.2008 13:39 | molinocampo
@ "kluge Frauen" ...
02.12.2008 14:28 | kluge Frauen
Ja, Hillary geht mit Sicherheit erhobenen Hauptes aus der vermeintlichen Niederlage hervor. Wohlgemerkt: Sie hat als kluge ...
01.12.2008 22:41 | molinocampo
Blödsinn - ...