Kommentar von CHRISTIAN RATH
Bald müssen Hetzer, die den Holocaust und andere Völkermorde leugnen oder verharmlosen, europaweit bestraft werden. Dies hat jetzt die EU beschlossen. Ist das eine gute Nachricht? Wohl nur für diejenigen, die das Strafrecht für ein probates Mittel halten, unerfreuliche Debatten zu beenden.

Christian Rath ist Korrespondent für Rechtsfragen bei der taz. Foto: taz
In Deutschland ist die Leugnung des Holocaust schon lange strafbar. Dies soll die Würde der Opfer schützen, aber auch den öffentlichen Frieden. Aufgrund der besonderen historischen Schuld Deutschlands ist dies verständlich.
Aber wird unsere Verantwortung gegenüber den Nachfahren der Holocaust-Opfer nicht relativiert, wenn nun auch andere Staatsverbrechen, wie etwa das serbische Massaker von Srebrenica, dem Holocaust strafrechtlich gleichgestellt werden? Was früher wohl noch als Verharmlosung des Holocaust gegolten hätte, soll nun Gesetz werden.
Man könnte meinen, die EU habe deutsche Besonderheiten übersehen. Aber nicht zuletzt die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat den Beschluss in Brüssel vorangetrieben.
Doch der EU-Rahmenbeschluss ist auch grundsätzlich zu kritisieren. Denn er nährt die populistische Vorstellung, der Staat solle einfach alles verbieten, was für öffentliche Missbilligung sorgt. Das aber ist nicht die Konzeption des Grundgesetzes und der europäischen Grundrechte-Charta, die eine möglichst freie Kommunikation garantieren.
Wenn die repressive Entwicklung weitergeht, könnte eines Tages auch eine offene Diskussion über die RAF-Selbstmorde von Stammheim verboten werden oder über die Urheberschaft der Terroranschläge vom 11. 9. 2001.
Die Aufarbeitung der Geschichte lebt von Diskussionen. Auch von den missliebigen. Es werden so lange Argumente und Belege ausgetauscht, bis sich eine herrschende Meinung herausgebildet hat. Wer hier nach dem Strafrecht ruft, sendet kein Signal der Stärke aus, sondern zeigt mangelndes demokratisches Selbstbewusstsein. Der EU-Rahmenbeschluss sollte in Deutschland deshalb so eng wie möglich umgesetzt werden.
CHRISTIAN RATH
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Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

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Leserkommentare
02.12.2008 16:50 | Oliver Selinka
es ist schlichtweg ungeheuerlich wie die Meinungsfreiheit immer mehr reglementiert und eingeschränkt wird. Auch wenn jemand ...
01.12.2008 18:38 | Shrike
Ich persönlich finde die hier aufgestellte Argumentation fragwürdig. ...
01.12.2008 12:28 | Andreas Thomsen
Irgendwann wird dann noch die Leugnung der "Klimakatastrophe" verboten ...