• 20.11.2008

Die Macht der Drogenkartelle bedroht Lateinamerikas Demokraten

Mexiko versinkt im Mafiakrieg

Kommentar von BERND PICKERT


				BERND PICKERT

Bernd Pickert ist Redakteur im taz-Auslandsressort und zuständig für die beiden Amerikas. Foto: taz

Seit vielen Jahren dehnen Lateinamerikas Drogenbarone ihren Einfluss aus - die Eskalation im "Drogenkrieg" in Mexiko ist dafür nur das aktuellste Beispiel. Längst schon sind es nicht mehr nur die traditionellen Machteliten, die in Mexiko, El Salvador, Guatemala oder Kolumbien dem gesellschaftlichen Fortschritt enge Grenzen setzen. Teils als neue Akteure, teils in Allianz mit den alten Kräften, unterhöhlen die Narco-Kartelle den Staatsapparat und alle Spielräume für die Demokratisierung, die soziale Entwicklung und mögliche Umverteilung in den Gesellschaften.

Ihre finanzielle Macht und ihre rücksichtslose Anwendung von Gewalt, die meist straffrei bleibt, treffen auf Gesellschaften, deren Staatsapparate in den Strukturanpassungsprogrammen der Neunzigerjahre zusammengestrichen wurden und damit nicht effizienter, sondern noch schwächer und anfälliger wurden. Gleichzeitig verschärften sich die sozialen Konflikte, die Schere zwischen Arm und Reich ging stetig weiter auseinander - ein ideales Einfallstor für die Drogenwirtschaft.

Inzwischen ist die Macht der Drogenkartelle kaum noch zu bremsen. Aus dem Schaden, den sie den Gesellschaften zufügen und den inkonsistenten Antworten der Regierungen entsteht eine unheilvolle Eigendynamik, die zu Gewaltexzessen auf beiden Seiten führt und Ansätze zur zivilen Konfliktlösung an den Rand drückt. Drogenhandel, das ist unregulierter Kapitalismus in seiner brutalsten Form, durch die Illegalität jeder Art von gesellschaftlicher Kontrolle entzogen.

Die Linke hat diese Gefahr lange unterschätzt. Die berechtigte Kritik an einer Politik der "harten Hand" in Produzenten- wie in Konsumentenstaaten oder einer als Drogenbekämpfung getarnten Militarisierung haben leider nur selten dazu geführt, alternative Ansätze zu entwickeln. Bolivien, wo mit Evo Morales ein ehemaliger Kokabauer die Regierung führt, bietet hier die größten Chancen. Sicher, der Kampf gegen die Kartelle muss intelligenter geführt werden als mit Militäreinsätzen und Feldbesprühungen, die nur die Lage verschärfen. Aber er muss geführt werden.

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