Nicht die taz, sondern die RAF ist heute Pop-Geschichte. Erleichtert feiern taz-Genossen und Sympathisanten ihren 30. Geburtstag - und äußern ihre Wünsche.von K.-P. KLINGELSCHMITT

Cohn-Bendit zur taz: "Meinen Nachruf will ich selber schreiben, bitte!" Bild: andreas mann
FRANKFURT AM MAIN taz Daniel Cohn-Bendit ärgert sich täglich über die taz. Und wenn einmal nicht, ärgert sich der Europaabgeordnete der Grünen darüber, dass nichts in der taz steht, worüber er sich ärgern kann. "Sadomasochismus" sei das, sagte der Gastredner auf der Feier zum 30. Geburtstag der taz am Freitagabend im Frankfurter Ökohaus. Doch nach nur einer Woche ohne taz, sinnierte der "Alt-68er" laut weiter, "würde man vielleicht die Welt überhaupt nicht mehr verstehen".
Beifall und lautes Kichern im längst erheiterten, gut gestylten Publikum, das von der Generation 50 plus links in Kohortenstärke dominiert wurde. Auch 60 plus links war an diesem Abend gut vertreten und drauf. taz-Meinungs- und Musikredakteur Daniel "DJ" Bax sorgte bis spät in die Nacht hinein für das weitere Entertainment des dann schon merklich ausgedünnten Auditoriums. Viele von den älteren Herrschaften mussten halt zuvor schon ins Bett.
Der Vorschlag von Cordelia Dilg, demnächst eine taz für Senioren zu produzieren, wurde dennoch mit spontanen Missfallensbekundungen quittiert. Dilg war zur Buchmesse 1978 an der Produktion der ersten von insgesamt zehn Nullnummern der taz beteiligt. Gut 50 Vertreter aus diversen taz-Gründungsinitiativen überprüften damals in einer Fabriketage in der legendären Hamburger Allee 45 jeden Artikel auf seine politische Korrektheit und gaben ihn erst nach langen Debatten "frei". Einer der wenigen ausgebildeten Journalisten, die sich damals an dieser "Chaosproduktion" beteiligten, war Johannes Winter. 30 Jahre später auf dem "Zeitzeugen-Podium" argumentierte er gegen eine Senioren-taz. Er forderte die Einrichtung einer Kinderseite in der taz "mit täglichem Kinderwitz". "Gibt es doch schon!", rief jemand aus der verdunkelten hinteren Ecke des Saales. Dort warteten die Humorsoldaten der Wahrheit-Seite auf ihren später viel beklatschten Einsatz.
"Veteran" Jochen Vielhauer erzählte von der "bleiernen Zeit". Die alternative Szene in Westdeutschland sei wegen der "vereinheitlichten Presselandschaft" gezwungen gewesen, über ein neues Medium Gegenöffentlichkeit herzustellen. In Frankfurt wurden die zentralen Debatten geführt und das Konzept erstellt. In Berlin aber wurde die taz dann ab April 1979 tatsächlich produziert. Und zwar "aus rein steuerlichen Erwägungen", nämlich wegen der damals üppigen Berlinförderung.
Auch taz-Chefredakteurin Bascha Mika hatte zu Beginn der Veranstaltung die "erschreckende Situation" beschrieben, in der sich die Linke in der Bundesrepublik vor 30 Jahren befunden habe: "Zwischen staatlichem Repressionsapparat und RAF." Die Gründung der taz sei dann die "beste Idee gewesen, die das alternative Milieu je hatte". Und die RAF könne heute "in der Popgeschichte begrüßt werden". Mika: "Stellen Sie sich vor, es wäre umgekehrt gewesen!?"
Dass die taz auch nur das erste Jahr überleben würde, konnte sich der Journalist und Kabarettist Martin Buchholz damals nicht vorstellen. Er wettete eine Kiste Wein auf das frühe Dahinscheiden der chronisch finanzschwachen taz und ihrer "Volkskorrespondenten" - und verlor "rückblickend gerne".
Cellist Frank Wolff hatte da längst schon sein schräges Deutschlandlied intoniert. Er holte mit seinem Stück "Blue City" die ganze fröhliche Feiergemeinde zurück in die harte Wirklichkeit der einstürzenden Bankentürme gleich neben der Redaktionsvertretung dieser Zeitung.
Cohn-Bendit erbat sich dann noch eine letzte Gunst von der taz: "Meinen Nachruf will ich selber schreiben, bitte!"
Erst in Vorleistung gehen, dann gegen den Nachbarn abkacken – da streikt die Professorin. Wer was tatsächlich braucht, ist schon lang nicht mehr die Frage. von Jörg Sundermeier

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.

77.000 Deutsche reisen jährlich auf die Malediven. Gerade herrschen Turbulenzen im Inselparadies: Soldaten schlagen Polizisten und die schlagen den Präsidenten. Am Ende geht nicht die Insel, sondern der Präsident unter.

Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
20.10.2008 10:36 | Hermann Tenhagen
Oh ja klaus-peter klingelschmitt, wir 40+ Gäste und die Mannschaft der Wahrheit haben den Altersschnitt odernlich gedrückt. ...