Wenn viele verschiedene Bienenarten die Pflanzen bestäuben, können die Bauern mehr ernten. Doch mit dem Sterben der Bienen, ist auch die Artenvielfalt bedroht.von SVENJA BERGT

Bei Bienen gilt: Nicht nur je mehr desto besser, sondern je vielfältiger desto besser. Bild: ap
Artenvielfalt kann ein ganz ökonomischer Faktor sein. Nämlich dann, wenn es um den Ertrag von Nutzpflanzen geht. Das haben Wissenschaftler der Universität Göttingen herausgefunden. Sie haben die Bestäubung von Kürbisflanzen durch Wildbienen untersucht. Das Ergebnis: Je mehr Bienenarten die Pflanzen bestäuben, desto höher ist der Ertrag.
„Die Artenvielfalt der Bienen ist entscheidender als ihre Gesamtzahl“, sagt Studienleiter Teja Tscharntke. Die Ursache dafür sieht er nicht nur im unterschiedlichen Körperbau der Bienen, sondern vor allem in dem unterschiedlichen Verhalten der Arten. So seien die Bienen zu verschiedenen Tageszeiten aktiv, bestäubten die Pflanzen in anderen Höhen und auch mit einer unterschiedlichen Intensität. Die Ertragssteigerung maßen die Forscher durch die Zahl der Samen. Die stieg mit einem Maximum von 25 Bienenarten auf das Zwei- bis Dreifache.
Für die in Deutschland verbreitete, intensive Landwirtschaft sei das Ergebnis nur mäßig interessant, so Tscharntke. „Hier gibt es die Tendenz, sich von der natürlichen Bestäubung unabhängig zu machen.“ Während manche Pflanzen wie Weizen und Mais ohnehin durch Wind bestäubt werden, setzen Landwirte in den USA mittlerweile gezielt Honigbienen zur Bestäubung ein. Eine Ausnahme sei Raps, bei dem auch bei intensiver Landwirtschaft der Ertrag bei der Bestäubung durch Wildbienen zunehme. Dazu kommen die Obstbäume, die auf die Bienen angewiesen sind. Einen Großteil der Bestäubungsarbeit leisten dabei nicht die Honigbienen, sondern die rund 500 frei lebenden Wildbienenarten.
Die Landwirte in Deutschland fordert Tscharntke daher auf, den Tieren auch einen Lebensraum zu geben. „Wir brauchen blütenreiche Lebensräume für die Wildbienen“. Das sei besonders wichtig angesichts dessen, dass die Honigbienenhaltung zunehmend unrentabel werde und damit nicht mehr zum Bestäuben zur Verfügung stünden. Und auch das Bienensterben lasse die Zahl der Tiere sinken. Ursachen dafür sind unter anderem Umweltverschmutzung und Pestizide. So sind alleine in der ersten Jahreshälfte in Bayern rund 330 Millionen Bienen gestorben – durch zwei Pestizidsorten. In Kalifornien hat ein massenhaftes Sterben der Tiere zu enormen Einbrüchen in der Mandelernte geführt.
Die Ergebnisse der Studie sind nicht nur für die Ertragssteigerung wichtig, sondern auch für die biologische Schädlingsbekämpfung. „Wir vermuten auch hier, dass der Erfolg um so größer ist, je vielfältiger die eingesetzten Arten sind“, sagt Tscharntke. Doch zunächst wollen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse noch an anderen Pflanzen überprüfen. Derzeit laufen Studien mit Kakao, Mandeln und Kirschen.
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