Auch noch ökumenisch: Die katholischen und die evangelischen Kirchen in Baden-Württemberg gründen gemeinsam einen Gasversorger. Lässt sich damit sparen?von BERNWARD JANZING

Egal, ob bei der Energieversorgung oder der Reinhaltung der Schöpfung: Manchmal zeigt sich die Kirche ganz pragmatisch Bild: reuters
Die vier Kirchen in Baden-Württemberg nehmen ihre Gasversorgung selbst in die Hand: Die Erzdiözese Freiburg, die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die beiden evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg haben unter dem Namen "Gesellschaft zur Energieversorgung der kirchlichen und sozialen Einrichtungen mbH" (KSE) ein eigenes Unternehmen gegründet.
Die Kirchen wollen sich mit diesem bundesweit bisher einmaligen Projekt von Konzernen wie der EnBW unabhängig machen. "Unser Ziel ist der kostengünstige Einkauf von Erdgas", sagt KSE-Aufsichtsrat Johannes Baumgartner von der federführenden Erzdiözese Freiburg. Für mehrere tausend kirchliche und soziale Einrichtungen soll damit ab Januar 2009 der Gaspreis um 10 Prozent unter den Preis der konventionellen Gasversorger sinken. Denn die KSE arbeitet satzungsgemäß nicht gewinnorientiert, sondern ist lediglich darauf ausgelegt, kostendeckend zu wirtschaften.
Das Energieversorgungsunternehmen garantiert seinen Kunden einen Festpreis für 12 Monate, und beliefert die Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser sowie Kindergärten und Einrichtungen von Caritas und Diakonie, ohne dass es eine Mindestabnahme gibt. Andere Kunden werde man allerdings nicht versorgen, sagt Baumgartner: "Wir wollen lediglich unseren Einkauf optimieren, und nicht zu einem allgemeinen Gasversorger werden."
Die Entwicklung liegt im Trend. Mancherorts haben sich auch Haushaltskunden schon zusammengefunden, um mit einer eigenen Gasgenossenschaft unabhängiger von etablierten Lieferanten zu werden. Dazu gehören die Bremer Energiehaus Genossenschaft e.G. oder die Energiegenossenschaft Nordwest eG (EGNW) in Delmenhorst. Man wolle "nicht länger zuzusehen, wie die großen Gaslieferanten sich an uns unverschämt stark bereichern," heißt es in Bremen. Und in Delmenhorst sieht man sich als "Regulativ in einem von Konzernen beherrschten Markt". Als Genossenschaft werde man "dem Verbraucher wieder mehr Gewicht verschaffen".
Formal ist der Gasmarkt seit Herbst 2006 auch für Haushaltskunden geöffnet. Wie im Strommarkt schon seit zehn Jahren, können seither auch Gaskunden ihren Anbieter wechseln. Zumindest theoretisch - in der Praxis braucht es einige Zeit, bis sich kleinere Anbieter etablieren. Kirchenvertreter Baumgartner ist überzeugt, dass der Bezug des Gases auf dem freien Markt problemlos klappen wird und die Gasnetzbetreiber den Brennstoff widerspruchslos durch ihre Netze durchleiten werden - zumals die KSE ein großer Abnehmer ist. Der Gasverbrauch der belieferten Einrichtungen liegt in der Summe bei 500 Millionen bis zu einer Milliarde Kilowattstunden jährlich. Damit ergibt sich eine starke Verhandlungsposition der Kirchen gegenüber Vorlieferanten. "Wir kaufen direkt dort ein, wo auch die Stadtwerke ihr Gas einkaufen", sagt Baumgartner - also auch an den Börsen oder über Ausschreibungsverfahren. Da eine Handelsstufe entfällt, soll der Bezugspreis sinken.
Dass die vier Kirchen sich nun mit einem eigenen Unternehmen auf den Energiemarkt begeben, hänge mit den steigenden Preisen zusammen, heißt es. Denn die Energiepreise würden auch für die Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen "zunehmend zu einer finanziellen Belastung". Die globale Preisentwicklung lasse sich zwar nicht verhindern, aber erträglicher gestalten. In den Strommarkt wollen die Kirchen vorerst nicht einsteigen. Bis Ende 2010 haben sie noch Rahmenverträge mit verschiedenen Anbietern.
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Leserkommentare
29.07.2008 04:04 | Volker Neubeck
Die Einsparungen könnte man zur Finanzierung von hocheffizienten Mini-Blockheizkraftwerke (BHKW) in Kirchen, Gemeindehäuser ...