Wenn US-Präsidentschaftsanwärter Barack Obama am Donnerstag vor der Siegessäule seine lang erwartete Rede hält, ist Kritik unerwünschtvon SEBASTIAN HEISER / MARTIN KAUL

Barack Obama Bild: Reuters
Innerhalb der USA garantiert der erste Verfassungszusatz nahezu uneingeschränkte Redefreiheit. Dort dürfen etwa Neonazis mit Hakenkreuzarmbinden demonstrieren, den Holocaust leugnen und "Mein Kampf" von Adolf Hitler verteilen. Doch wenn der Möchtegernpräsident Barack Obama (Demokraten) am Donnerstag an der Siegessäule spricht, will er die Meinung des Publikums nicht wissen: "Plakate oder Transparente sind nicht gestattet", heißt es auf der Website Obamas.
Kritik an ihm könnte es etwa geben, weil Obama mehr europäische Soldaten in Afghanistan verlangt. Aber Kritik soll nicht die Bilder trüben, die der Kandidat ab 19 Uhr bei seiner Rede über den großen Teich an sein Wahlvolk senden will.
Das Plakatverbot wird von der SPD "ausdrücklich sehr bedauert", heißt es in einer Mitteilung, mit der die Zentrale des Landesverbands die Parteimitglieder zur Teilnahme an der Veranstaltung aufruft. Die Aktivisten der Naturschutzorganisation WWF werden vor die Absperrungen ausweichen. Sie wollen Obama austricksen und setzten auf T-Shirts statt Plakate: 2.000 eigens gedruckte Hemden will WWF an die Besucher verteilen. Darauf zu sehen ist ein Eisbär, der mit den Worten "Yes, You Can!" den Präsidentschaftskandidaten auffordert, sich stärker für den Klimaschutz einzusetzen. Von der globalisierungskritischen Bewegung bis in die antimilitaristische Szene sind dagegen bislang noch keine Veranstaltungen für Donnerstag angekündigt.
Die Polizei ist dennoch mit einem großen Aufgebot dabei: 700 Beamte sind am Donnerstag im Einsatz, 400 am Freitag - hauptsächlich, um Obama vor Anschlägen zu schützen. Es gilt Gefährdungsstufe 2 - ähnlich wie bei Veranstaltungen von Kanzlerkandidaten im Bundestagswahlkampf. Die Kosten für den Polizeieinsatz trägt die öffentliche Hand - das ist auch bei anderen größeren Privatveranstaltung wie etwa bei den Fußballspielen von Hertha BSC der Fall. Zur genauen Höhe der Kosten mochte sich die Polizei nicht äußern. Nach der Faustformel, wonach ein Polizist pro Stunde 20 Euro kostet, ergibt sich jedoch eine Summe von mehreren hunderttausend Euro. Die Kosten für die Absperrung, die Einlasskontrollen und die Rednertribüne zahlt dagegen Obama aus seiner Wahlkampfkasse.
Obamas Tribüne wird direkt nördlich von der Siegessäule aufgebaut, sodass er in Richtung Brandenburger Tor spricht. Die Straße des 17. Juni wird mit Zäunen abgeriegelt, Einlass gibt es ab 16 Uhr, drei Stunden später soll die Rede beginnen. Damit Obama auch von weiter hinten aus zu sehen ist, werden wie zur EM mehrere große Leinwände aufgebaut. Die ARD überträgt die Rede live. Von Mittwochmorgen an ist die Straße des 17. Juni gesperrt.
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Leserkommentare
21.10.2008 22:20 | Volker
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21.10.2008 22:16 | Volker
Zum Glück hat sich gezeigt, dass "Liebold" mit seiner Meinung alleine dasteht. Alles andere hätte mich doch ziemlich enttäu ...
24.07.2008 21:42 | Liebold
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