Wenn es um Fußball geht, sieht Europa gerne afrikanische Spieler in den eigenen Reihen. Im Gegensatz zu den Migranten an den Grenzzäunen der EU.von DOMINIC JOHNSON
Wo wäre der europäische Fußball ohne Spieler aus Afrika oder anderen außereuropäischen Kontinenten? Nicht nur die französische Nationalmannschaft hat bei der EM schwarze Spieler, und Odonkor ist auch kein wirklich deutscher Name, wenngleich sich auf seiner Homepage kein Verweis auf seine Abstammung aus Ghana findet. Wenn es Europa passt, werden Afrikaner gerne aufgenommen und als Europäer ausgegeben. Wenn es Europa nicht passt, werden sie an Grenzzäunen mit der Waffe abgedrängt, in Abschiebehaft wie Dreck behandelt und im Meer dem Ertrinken preisgegeben.

Dominic Johnson ist Auslandsredakteur der taz mit Schwerpunkt Afrika. Foto: taz
Illegale Einwanderung von Afrika nach Europa wird in der Politik gerne als Menschenhandel denunziert. Aber was sich Europas Fußballwelt auf der Suche nach Talenten auf dem Nachbarkontinent an Geschäftsgebaren leistet, müsste als Menschenhandel verboten werden, wenn es nicht so lukrativ wäre, auch für viele der Betroffenen. Wenn jedoch inzwischen auch im letzten afrikanischen Dorf EM-Spiele und die englische Premier League verfolgt werden, kann man es Afrikanern nicht verdenken, dass sie es durchaus normal finden, in Europa ihr Geld zu verdienen.
Die neuen Grenzzwischenfälle in Melilla, der Aufstand im Pariser Abschiebegefängnis Vincennes - sie zeigen: Afrikas Migranten lassen sich nicht unterkriegen. Und sie wissen sehr genau, wann und wie sie sich in Erinnerung rufen müssen, um für ihre Sache zu werben. Die illegal eingereisten Afrikaner sind handelnde Wesen, die ihre eigene Zukunft selbst organisieren. Wenn Europa damit einen korrekten Umgang finden will, muss es mit den Migranten direkt ins Gespräch kommen. Verhandlungen über europäische Migrations- und Flüchtlingspolitik müssen mit den Verbänden der Migranten hier und in den Transitländern sowie mit gesellschaftlichen Gruppen und Wirtschaftsverbänden in den Herkunftsländern geführt werden, nicht bloß mit den Regierungen, vor denen die Leute weggelaufen sind.
Politische Maßnahmen vorher mit den Betroffenen zu beraten und deren Zustimmung einzuholen - das ist ein Gebot demokratischer Politik. Auch im Umgang mit Afrika. Das muss Europa noch lernen.
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