Die nächste Ausgabe des Magazins "Dummy" soll "Neger" heißen. Provokant oder daneben? Im Netz diskutieren Leser und Redaktion über den Titel.von SIMON GARREIS/DAVID DENK

Politisch unkorrekt sein, das mögen die bei Dummy. Bild: screenshot dummy-magazin.de
Das Berliner Gesellschaftsmagazin Dummy provoziert gerne. Als die Zweimannredaktion sich für ihre stets monothematischen Hefte das Thema "Türken" vornahm, zierte das Cover die Nahaufnahme eines Fladenbrots von oben, die Rückseite zeigte seine Unterseite. Auf den inneren Umschlagseiten verzichtete man zugunsten von Dönerfleisch, Salat und Sauce sogar auf Anzeigen. In der Ausgabe "Tiere" hat ein Autor eine Tiersexparty besucht, auf der sich Schäferhund Billy und Frauchen Doris SEHR nah kamen.
Die nächste Ausgabe von Dummy soll "Neger" heißen - nicht Schwarzer, Afroamerikaner, Maximalpigmentierter, sondern Neger. Als das geplante Thema publik wurde, ging eine Diskussion los, von der Chefredakteur Oliver Gehrs im Redaktionsblog schreibt: "Wir wollen mal nicht so tun, als hätten wir es nicht kommen sehen" - vielmehr hat Gehrs damit sein Ziel erreicht: "Der Titel soll eine Diskussion anstoßen", sagte er der taz. Im Redaktionsblog freut er sich "auf eine anregende Debatte fern der politischen Korrektheit."
Dort präzisiert Gehrs auch mögliche Themen: "Ein Magazin voller Geschichten über Schwarze, über black culture, Malcolm X, Obama, HipHop, Roberto Blanco, den Sarotti-Mohr, über Rassismus und Afrika. 138 Seiten black power." Wenn das alles ist, ist es sehr wenig, doch in der Regel besteht die Wundertüte Dummy aus solch erwartbaren, aber auch ungewöhnlichen Zugängen. "Wir haben auch einen Ruf zu verlieren und wollen mit dem Thema nicht zu zaghaft umgehen", verspricht Gehrs.
Derzeit sind die Leser per Blog aufgerufen, mit der Dummy-Redaktion darüber zu diskutieren, ob ein Magazin "Neger" heißen darf und - wenn nicht - wie es dann genannt werden soll. Für Gehrs ist der Blog "ein Medium zur Rückversicherung, ein Lackmustest". Denn Gehrs kann es sich weder leisten, Leser zu vergraulen noch Anzeigenkunden. Ganz sicher, ob der Titel auch wirklich eine gute Idee war, scheinen sich also auch die Macher nicht zu sein.
Im Internet ist die Stimmung zwiegespalten, einige Nutzer finden kontroverse Titel klasse, andere warnen vor der diskriminierenden Konnotation. Benutzer "Knut" schätzt zum Beispiel den mutigen Esprit daran, "Jan" hält die gängige Political Correctness sowieso für einen Irrweg. Andere User lehnen das Wort "Neger" im Titel strikt ab, "weil es nun mal eine Geschichte der Diskriminierung in sich birgt."
Gehrs hat seinen Favoriten unter den Empfehlungen bereits gefunden: Auf der Titelseite soll das Wort "Neger" in schwarzer, abgehobener Schrift auf schwarzem Grund stehen, denn das würde "die Dialektik daran sehr schön widerspiegeln".
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
22.06.2008 15:12 | moon
Schade, dass die taz die Gelegenheit nicht wahrgenommen hat, hier ein klares Zeichen zu setzen, dass das Wort "Neger" absol ...
21.06.2008 20:43 | Andreas
Ich glaube nirgends, ausser im tagesspiegel online, soviel dermassen blaeuaeugigen Rassimus wie in den Kommentarteilen von ...
21.06.2008 16:23 | vic
Wusste bislang noch nicht mal von der Existenz dieses sicher total hippen Dumpfbackenheftchens. ...