Kai Diekmann versichert den Lesern der türkischen Zeitung "Hürriyet", "Bild" sei nicht türkenfeindlich. Doch seine Kampagne gegen kriminelle Ausländer geht munter weiter.von Wolf Schmidt

Um Schadensbegrenzung gegenüber Türken bemüht: Kai Diekmann Bild: dpa
Seitdem vor Weihnachten ein türkischer und ein griechischer Jugendlicher in München einen 76-Jährigen zusammengeschlagen haben, fährt Bild eine Kampagne gegen kriminelle Ausländer. Schlagzeilen wie "Dauerkriminelle Ausländer ausweisen" liefern Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) Steilvorlagen für einen ressentimentgeladenen Wahlkampf.
Der türkischen Community ist das sauer aufgestoßen. "Immer die Türken", beklagte sich das Blatt Sabah über die Berichterstattung von Bild. Die türkischsprachige Tageszeitung Hürriyet vermutete gar eine "Verschwörung gegen migrantische Jugendliche". Unzählige Leserbriefe, in denen die Berichterstattung der Boulevardmedien beklagt wurde, habe seine Zeitung erhalten, sagt Ismail Erel, Redaktionsleiter der Hürriyet in Deutschland. "Viele unserer Leser fühlen sich beleidigt." Deshalb habe er Bild-Chefredakteur Kai Diekmann angerufen und ihm die Kritik vorgetragen.
Dieser hat nun öffentlichkeitswirksam darauf reagiert. Auf Türkisch und Deutsch ließ Diekmann in der Deutschlandausgabe der Hürriyet vom Dienstag einen offenen Brief an die Leser veröffentlichen, in dem er die Berichterstattung seines Blatts rechtfertigt. Bild, schreibt Diekmann, sei "nicht türkenfeindlich gesonnen". Vielmehr sei die Zeitung "immer für eine Vertiefung der türkisch-deutschen Freundschaft gewesen". Dass der Ältere der beiden Täter von München Türke ist und der Jüngere Grieche, sei "bloßer Zufall", beschwichtigt Diekmann. "Genauso hätten es Polen, Russen, Jugoslawen oder Kurden sein können."
Die Beweggründe für den Brief sind leicht zu erahnen: Diekmann will offenbar die Wogen glätten. Schließlich sind unter den rund 12 Millionen Lesern seiner Zeitung zahlreiche türkischstämmige. Und die waren schon unglücklich über die nicht gerade ausgewogene Berichterstattung über Marco Weiss, der bis vor kurzem in der Türkei im Gefängnis saß. Zudem pflegt Diekmann gute Beziehungen zum Dogan-Verlag, in dem die konservative Hürriyet erscheint. Die will er offenbar nicht aufs Spiel setzen. Diekmann selbst sitzt im Beirat der Hürriyet, die in Deutschland über den Springer-Verlag vertrieben wird. Das Blatt gilt als türkisches Leitmedium in Europa, in Deutschland werden täglich 40.000 Exemplare verkauft, die Zeitung selbst spricht von einem "weitesten Leserkreis" von 700.000.
Doch entschuldigen will sich Diekmann in seinem Brief dann doch nicht. Inhaltlich bleibt er bei der Position, die sich seit zwei Wochen nahezu täglich in Bild findet. "Ausländer machen nur rund 9 Prozent der Bevölkerung aus, die in Deutschland leben", schreibt er. "Aber sie sind verantwortlich für 25 Prozent aller Gewalttaten." Man müsse darüber reden, "warum wir bis heute jugendlichen Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht klar machen konnten, dass man in Deutschland Konflikte nicht mit dem Messer oder der Faust löst". Dies sei auch im Interesse der "großen Menge friedfertiger Türken", die in Deutschland leben.
Dass die Kampagne von Bild mit Diekmanns offenem Brief aufhört, ist indes nicht zu erwarten. Am Dienstag druckte das Blatt erneut eine ganze Seite zu seinem neuen Lieblingsthema: "Überfälle in der U-Bahn, Gewalt an Schulen, Schlägereien auf der Straße: Deutschland diskutiert über Jugendkriminalität, die immer häufiger von jungen Ausländern ausgeht."
Sachlichkeit ist allerdings auch von der Hürriyet nicht zu erwarten. Für die in die Debatte um jugendliche Straftäter eingebrachten Erziehungscamps fiel dem Blatt nur die Bezeichnung Konzentrationslager ein.
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
12.02.2012 10:14 | Karl-Wilhelm Schmidt Newskarlwilismus
Ist Griechenland für Finanzkrise verantwortlich? ...
11.02.2012 09:28 | Karl-Wilhelm Schmidt Newskarlwilismus
Wenn der Euro in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus, was dann? Die Zeit fährt Auto! ...
09.02.2012 08:10 | Karl-Wilhelm Schmidt Newskarlwilismus
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